«Kollektives Besäufnis kann es am Oktoberfest kaum geben»

Mit Ueli Cavelti (Heineken-Verkaufsleiter) sprach Dario Morandi (Die Südostschweiz).

Herr Cavelti, letzte Woche hat Heineken Switzerland AG in der Stadthalle mit dem Aufbau der Anlagen für das 3. Churer Oktoberfest begonnen. Ein riesiger Aufwand für ein bloss viertägiges Bierfest.

Ueli Cavelti: Das ist in der Tat ein grosses Engagement von Heineken, zeitlich ebenso wie finanziell. Der Hauptgrund dafür ist, dass wir in der Stadthalle ein Festzelt aufbauen und die entsprechenden Infrastrukturen bereitstellen müssen. Dieses Jahr ist der Aufwand sogar noch etwas grösser, weil wir das Zelt vergrössern und deshalb unseren Gästen mehr Sitzgelegenheiten bieten können.

Da stellt sich doch auch die Frage, was Heineken so ein Oktoberfest bringt. Geht es allein um mehr Bierumsatz?

Es wird Bierumsatz generiert, ganz klar. Aber nicht nur: Das Oktoberfest stellt zudem eine gute Werbemöglichkeit für unsere Brauerei dar. Denn solche Veranstaltungen liegen im Trend. Und es ist ein Bekenntnis zum Braustandort Chur sowie letztlich eine Bereicherung des Veranstaltungskalenders. «Ein Ort der Geselligkeit und Fröhlichkeit»

Das sehen aber nicht alle so. Das Oktoberfest sei ein kollektives Besäufnis, heisst es in der Öffentlichkeit.

Da muss ich ganz klar widersprechen. Ein kollektives Besäufnis, so wie sich das unsere Kritiker vorstellen, kann es kaum geben, weil die Dauer des Festes ja beschränkt ist. Es beginnt jeweils um 17 Uhr und endet um 23 Uhr. Ich sehe das Fest vielmehr als ein Ort der generationenübergreifenden Geselligkeit und Fröhlichkeit. Und dies bei Speis und Trank.

Schön und gut: Getrunken wird aber dennoch ordentlich. Davon zeugen jeweils jene schrägen Gestalten, die mehr als nur bierselig durchs Zelt wanken.

Das sehe ich nicht so. Wenn ich mir die Rapporte der Sicherheitsdienste der letzten beiden Oktoberfeste ansehe, entsteht ein anderes Bild. Wir haben bisher keinen einzigen negativen Vorfall mit Betrunkenen registriert.

Aber seien wir doch ehrlich, Herr Cavelti: Der Bierkonsum am Oktoberfest ist jeweils enorm hoch.

Der Bierkonsum ist meiner Meinung nach nicht so hoch, wie man das auf den ersten Blick annehmen könnte. Am Oktoberfest verzeichnen wir ein geringeres Pro-Kopf-Volumen als bei anderen Veranstaltungen.

Die meisten kommen erst am späteren Abend richtig in die Gänge. Trotzdem ist um 23 Uhr fertig lustig. Viele finden das nicht eben toll.

Da gleichen wir uns eben auch der Tradition am Münchner Oktoberfest an. Dort ist ebenfalls um 23 Uhr Schluss. Wie die Münchner Brauereien wollen auch wir mit unserer Veranstaltung nicht die Gastronomie in der Stadt konkurrenzieren. Unser Ziel ist einzig und allein, der Bevölkerung ein paar unbeschwerte Stunden an einem lustigen Bierfest zu bieten.

Doch Hand aufs Herz: Wie authentisch kann denn ein Oktoberfest in Chur sein?

Ich denke, es ist authentisch und kommt dem Original sehr nahe. Das sieht man in der Ausstattung des mit Kränzen und Girlanden geschmückten Festzeltes sowie der musikalischen Unterhaltung. Aber auch das Personal trägt seinen Teil dazu bei. Da sind «münchenerprobte» Resis und Bierschlepper unterwegs. Und nicht zu vergessen ist in diesem Zusammenhang neben dem obligaten Mass Bier die deftige bayerische Verpflegung mit Weisswürsten, Hähnchen und Haxen. Aber trotz aller Ähnlichkeit mit München möchten wir unserem Oktoberfest ein Churer Flair geben.

Quelle: Die Südostschweiz

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