Weissbier macht müde Sportler munter

Test mit Ausdauersportlern zeigt: Das alkoholfreie Getränk stählt das Immunsystem und schützt vor Infekten.

Extreme sportliche Belastungen zehren an der Gesundheit. Kurz nach einem Triathlon oder Marathon kränkeln denn auch viele Athleten. Die Tortur bringt ihr Immunsystem aus dem Gleichgewicht; häufig sind ihre oberen Atemwege infiziert.

Auf der Suche nach einem probaten Gegenmittel stiessen Münchner Forscher nun auf einen ungewöhnlichen Trank: Bier. Genauer gesagt alkoholfreies Weissbier. In einer Studie mit Marathonläufern entdeckten sie, dass
das Gebräu das Immunsystem stählt und vor Infekten schützt.

Sportmediziner um Johannes Scherr vom Klinikum rechts der Isar an der Technischen Universität München beschäftigen sich seit mehr als fünf Jahren mit den gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die ein Lauf über 42,195 Kilometer mit sich bringt. Und sie suchen nach Interventionsstrategien. Ein potenzielles Mittel: Polyphenole. Sie kommen in Pflanzen als Farb- oder Geschmacksstoffe vor. Im Körper sollen sie die körpereigene Abwehr stärken sowie antibakteriell wirksam sein.

Ein besonders polyphenolhaltiger Saft ist Weissbier. Und so liessen Scherr und Kollegen vor zwei Jahren beim München Marathon 277 Probanden drei Wochen vor und zwei Wochen nach dem Wettkampf 1 bis 1,5 Liter  alkoholfreies Bier pro Tag trinken.

Die Sportler wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Die erste Gruppe trank ein Placebo-Gebräu, das keine Polyphenole enthielt; die zweite polyphenolhaltiges Weissbier der Brauerei Erdinger, die die Studie gesponsert hat. Die Biere unterschieden sich ansonsten nicht. Die Athleten wussten also nicht, zu welcher Gruppe sie gehörten. Alle wurden zudem angehalten, sich polyphenolarm zu ernähren.

Deutlich weniger Anzeichen für eine Entzündung

Die Ergebnisse, die kürzlich auf dem Kongress für Sportmedizin in Denver (USA) vorgestellt wurden, überraschten in ihrer Deutlichkeit selbst die Forscher. Nach dem Marathon fanden sie im Blut der Athleten, die das  polyphenolhaltige Bier getrunken hatten, deutlich weniger Anzeichen für eine Entzündung als in der Placebo-Gruppe. Ausserdem litten jene Sportler seltener an Infekten. Während sich in der Placebo-Gruppe etwa jeder Vierte eine Erkältung eingefangen hatte, war es in der Interventions-Gruppe nur jeder Siebte. Die Infekte verliefen zudem weniger schwer.

Aber muss es ausgerechnet Weissbier sein? Weissbier wird aus Malz, Hopfen und Hefe gebraut. Der Polyphenolgehalt ist laut Scherr deshalb besonders hoch und der Polyphenolmix vielseitig. «Auf den Mix kommt es offenbar an», sagt Scherr. In früheren Studien mit Sportlern hatte sich angedeutet, dass Nahrungsergänzungspräparate, die nur eine Art Polyphenole enthielten, das Immunsystem nicht stärken; eine Mixtur dagegen schon. «Womöglich», spekuliert Scherr, «wird ein Mix weniger schnell abgebaut.»

Reich an verschiedenen Polyphenolen ist beispielsweise auch grüner Tee. Seine Wirkung wurde ebenfalls bereits bei Athleten untersucht. «Die Effekte waren aber nicht so gross wie beim Weissbier», sagt Scherr. Andere
Lebensmittel seien bislang noch nicht begutachtet worden.

Quelle: sonntagszeitung.ch

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