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Nach dem Bier kamen die Bücher – Zürichs neustes Hotel

Ob die Internet-Spezialisten, die von Nachbar Google hier einquartiert werden, mit so viel analogen Medien nicht überfordert sind? 33’000 Bücher zieren die Lobby des neusten Zürcher Hotels. Sie sind Teil einer spektakulären Inszenierung von Alt und Neu im Gebäude der ehemaligen Hürlimann-Brauerei.

Ob der Name «B2 Hotel» wirklich inspirierend ist, darf bezweifelt werden. Die Betreiberin Turicum Hotel Management bezeichnet eine Reihe von kleineren, lokal verankerten Hotels in ihrem Portfolio als «Bookmark»-Hotels; kombiniert mit «Boutique» kommt sie damit zu «B2». Die Zürcher werden wohl einfach vom «Hotel in der Hürlimann-Brauerei» sprechen. Das allein macht schon neugierig.

Die Wiederbelebung brachliegender Industrie-Areale beschäftigt Zürichs Stadtplaner schon geraume Zeit. Nahe am Zentrum und deshalb sehr begehrt war das Gelände, wo bis 1997 das Hürlimann-Bier gebraut wurde. Trotzdem brauchte es mehrere Anläufe, bis 2005 für den Hügel im Quartier Enge schliesslich ein tragfähiges Konzept gefunden wurde.

Das Thermalbad, welches die legenden-umrankte Aqui-Quelle nutzt, ist bereits seit gut einem Jahr in Betrieb. Nebenan haben sich Firmen schicke Büros gebaut, wie etwa der Internet-Riese Google und bei den ehemaligen Stallungen der Brauerei-Rosse ist eine Flaniermeile mit Geschäften und Restaurants entstanden.

Für das «B2 Hotel» stellten sich aber nochmals ganz besondere bauliche Herausforderungen, die sehr gekonnt und kreativ bewältigt wurden. Die Architekten Margrit Althammer und René Hochuli hatten es mit drei Szenarien zu tun: dem Umbau des alten Sudhauses, einem Aufbau auf der denkmalgeschützten Maschinenhalle und dem Einbau eines Hauses im Haus für acht Suiten in der Hülle des alten Kühlschiffes. Geworden ist daraus eine sehr schicke, urbane Hotel-Welt aus einem Guss.

Das Thema der alten Brauerei ist gestalterisch aufgenommen, aber nicht überstrapaziert worden. Kupferne Sudkessel hat man hierzulande schon zu viel gesehen. Viel schöner sind die alten Ständer zum Flaschen trocknen, die man zu schimmernden Leuchtern umgebaut hat. Sie hängen in der «Library», welche Auftakt und Treffpunkt des Hotels bildet. Die Bücher sind rundum in 11 Meter hohen Regalen untergebracht. Mit Leitern können sich Gäste die Lektüre bis aus einer Höhe von drei Metern herunterholen und ausleihen. Sie stammen aus einem aufgelösten Zürcher Antiquariat, das komplett aufgekauft wurde.

Dieser Design-Griff ist besonders pikant, wenn man bedenkt, wer wohl einen nicht unbeträchtlichen Teil der Gäste stellen dürfte. Bereits am Eröffnungstag sah man einen Gruppe typischer Computer-Nerds vom Hotel in Richtung Google schleichen. Das Hotel dürfte aber auch viele andere Zürich-Touristen mit Sinn für städtisch-kreatives Flair anlocken. Die Zimmer und Suiten (in der Preislage zwischen 290 und 770 Franken) sind sachlich, aber nicht ungemütlich gestaltet. Diverse Materialien nehmen Bezug auf die Industrie-Vergangenheit. Besonders gefällt der fussfreundliche Holzboden, der einen Teppich gar nicht vermissen lässt. Positiv überrascht das Raumangebot selbst in den Standard-Zimmern. Das «offene» Badezimmer sieht schick aus, so mancher wird aber vielleicht den Sichtschutz vorziehen.

Ein Plus des Hotels wird zudem der direkt von den Zimmern mögliche und verbilligte Zugang zum Thermalbad sein.

Die Leistung der Architekten zeigt sich besonders in der Art und Weise, wie man ein statisches Problem mit der historischen Gebäudehülle gelöst hat. In das Sudhaus bis hinauf zum Dach, auf dem sich der Spa-Teil unter freiem Himmel befindet, setzte man einen futuristischen Lichtschacht aus Beton, an dessen Fuss sich ein Konferenzraum befindet. Von dort geht der Blick weit hinauf, wo man durch ein Wasserbecken hindurch in den Himmel blickt – wohl der ideale Ort zum Fassen visionärer Gedanken.

Quelle: nzz.ch

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