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Locher: Neubau mit «Füllstrich»

Die Brauerei Locher in Appenzell expandiert: Mindestens 25 Millionen Franken lässt sie sich einen Neubau kosten. Die äussere Hülle des Brauereigebäudes darf ein Herisauer Architekturbüro gestalten.

Oben weiss, unten gelb, so sieht das Bier im Glas aus, wenn sich durch das Einschenken eine Schaumkrone gebildet hat. Und so soll auch die neue Produktionsstätte der Appenzeller Brauerei Locher gemäss dem Entwurf der Architektin Eva Keller aus Herisau aussehen.

Die neue Brauerei an der Industriestrasse 12 wird voraussichtlich ab Ende 2016 den derzeitigen Braubetrieb am Brauereiplatz 1 komplett ersetzen.

60 000 Hektoliter mehr

Am bisherigen Standort ist man baulich am Anschlag: Die dicht bebaute Umgebung des Firmengeländes erlaubt keine Erweiterung. Am neuen Standort sollen jährlich bis zu 220 000 Hektoliter Bier gebraut werden können, 60 000 Hektoliter mehr als bisher. Karl Locher, Mitinhaber und Vorsitzender der Geschäftsleitung der Brauerei Locher AG, rechnet für den Neubau mit Kosten im Bereich von 25 bis 30 Millionen Franken: «Falls wir die Baubewilligung erhalten, beginnt eine erste Etappe der Bauarbeiten im Frühling 2014.»

«Enges Korsett» für Architekten

Gemäss Locher wurde das Innenleben der Brauerei zunächst umwelt- und arbeitstechnisch optimal geplant, was unter anderem eine Segmentierung in einzelne Module ergab: Der Neubau vereint das Sudhaus, die Bierproduktion, die Füllerei, ein Hochregal- und ein Leergutlager unter einem Dach.

Wie Locher gestern vor den Medien ausführte, steckten die Architekturbüros beim Entwerfen der Gebäudehülle somit in einem «engen Korsett». «Wichtig war uns, dass sich das Gebäude harmonisch in die Landschaft einfügt, dass es eine Brauerei darstellt und dass der Bau nachhaltig ist, so dass er die nächsten fünf Generationen übersteht», sagte Locher in Anspielung auf die lange Familientradition des Unternehmens.

Sieben Architekturbüros nahmen am Wettbewerb teil, darunter solche aus Zürich und Appenzell. Das Projekt «Füllstrich» des Büros Keller Hubacher Architekten aus Herisau überzeugte die neunköpfige Jury am meisten.

Der Füllstrich bezeichnet jene Marke am Glas, die dem Konsumenten anzeigt, ob der Wirt so viel Bier wie versprochen ins Glas goss. Optimalerweise liegt dort somit der Horizont zwischen Schaum und Bier – und ein solcher Horizont wird sich auch auf der Hülle der neuen Brauerei, segmentweise nach aussen gekrümmtes Wellblech, abzeichnen. «Der Horizont, den die beiden Farbflächen bilden, ist ein Mittel, um die verschiedenen Volumina zusammenzubringen», erläuterte Architektin Eva Keller. Die Höhe des Füllstrichs übernehme den Horizont der umliegenden Bauten, damit füge sich der bewusst im Industrie-Look gehaltene Bau gut in die Umgebung ein.

«Das Projekt geht sehr subtil mit den Volumina um», lobte Fachpreisrichter Thomas Lehmann. Das vorgeschlagene Material lasse mehrere passende Assoziationen zu und betone den industriellen Charakter der Anlage.

«Ehrliche» Lösung

Zudem passe damit die Hülle gut zur Materialität des Gebäudekerns, was nicht nur ehrlich sei, sondern sich auch konstruktiv einfacher lösen lasse, als etwa eine Fassadengestaltung in Holz – zwei unterlegene Architekturbüros hatten eine Gebäudehülle in diesem Material vorgeschlagen.

Wie Lehmann weiter ausführte, fielen in einer ersten Begutachtungsrunde gleich drei Projekte durch: Ein Projekt schoss bei der geplanten Höhe übers Ziel hinaus und verstiess damit gegen den Quartierplan, bei zwei weiteren Projekten vermisste die Jury eine gewisse Tiefe bei der Auseinandersetzung mit dem Thema.

Ob dann schliesslich die Fassade real tatsächlich in Schaumkronen-Silberweiss und Appenzellerbier-Gelb erstrahlen wird, steht noch in den Sternen: Laut Lehmann ist der Farbhorizont «gesetzt»; die Grundidee des Projekts «Füllstrich» gehe auch mit zwei anders gewählten Farbtönen nicht verloren.

Quelle: tagblatt.ch

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