Marcel Wagner – Der Biermaler

Künstler haben früher meist ihre Farben selber angerichtet und hergestellt. Eine grosse Wissenschaft ist die Herstellung mit organischen Pigmenten. Vor allem im 17. Jahrhundert (und noch bis ins 18. Jahrhundert) wurde das frisch eingeführte Genussmittel Kaffee eingesetzt, daneben aber auch Rotwein, Bier und anderes.

Da es auch eine günstigere Variante war als die teuren, vorindustriellen Pigmentfarben, geriet diese Art als „Farben der armen Künstler“ ab dem 18 Jh. in Vergessenheit. Einzig Kaffee und Bier blieben in der Imitationstechnik als Lasuren bestehen, vor allem in der Dekorationsmalerei und Theatermalerei, um Stein, Marmor und Holzmaserungen zu imitieren, aber auch bei Möbeln, Treppenhäuser und anderen Schmuck- und Ziergegenständen.

Marcel Sinlah Wagner experimentiert seit vielen Jahren und erforscht alte Techniken, extrahiert aus Spinat und Kopfsalat satte Grüntöne, kombinierte mit hochwertigen Kunstharzen oder der Encaustik (Wachsmalerei), schuf angeregt durch die Ikonenen- oder Freskomalerei Lasurtechniken mit Milch und Eigelb, kombiniert mit echten Rostpigmenten oder Silber- und Goldstaub. Und in all den Jahren gab es treue Begleiter, sei es im Schaffensprozess oder im Austausch oder in unzähligen Gesprächen: Bier, Kaffee und Wein.

Und jedem, ob Bier, Kaffee oder Wein, wohnt ein eigener, atmosphärischer Zauber inne, dem sich kaum jemand entziehen kann. Eine sinnliche Vielfalt in warmem Sein, die sich in den Bildern von Marcel Sinlah Wagner wiederspiegelt. Seine Bilder sind Zeugnis der Vielfalt der Gespräche bei Kaffee, Bier und Wein und dem Schweigen über den Genuss, das Sichtbargemachte des Unsichtbaren, das der Geniesser fühlt und spürt.

Die Bier-Bilder

Der Duft von über dem Feuer geröstetem Malz rinnt prickelnd und labend als dunkles Bier durch unsere Kehle, verheisst gute Laune und lockt so manch heitere Stimmung hervor, wo im Beisammensein allerlei Geschichten erzählt werden über Politik, den Urlaub oder den Nachbarn. Die Mühsal oft als Beigeschmack dieser Geschichten wird einfach weggespült und macht der Heiterkeit Platz. Von dieser tiefsinnigen Leichtigkeit erzählen die Bilder mit dunklem Bier in Anlehnung der Eitemperatechnik auf Papier gebracht. Verwendet werden die verschiedensten dunklen Biere.

Quelle: marcelwagner.ch