«An Hopfen wird nicht gespart»

Braumeister Stephen Hart erklärt, was Bierfreunde nächstes Wochenende am Craft-Bier-Festival in Rapperswil-Jona erwartet.

Was macht ein Craft-Bier aus?
Der Begriff stammt ursprünglich aus den USA und kann mit «handwerklich produziertem Bier» übersetzt werden. Da Mikrobrauereien nicht auf eine möglichst kostengünstige Herstellung zielen und in der Regel an Rohstoffen wie Hopfen nicht sparen, sind solche Biere oft sehr gehalt- und geschmackvoll.

Diese Mikrobrauereien stellen aber gerade mal 1 Prozent des Biers in der Schweiz her. Läge da nicht etwas mehr drin angesichts des anhaltenden Trends zu regionalen Produkten?
Meist liegt das Problem bei der Distri­bution. Man hat die Ressourcen nicht, um sich richtig zu engagieren. Deshalb ist es positiv, dass zunehmend auch Detailhändler Craft-Biere ins Sortiment nehmen. Nicht zuletzt müssen die Bierverträge der grossen Brauereien mit den ­Restaurants in diesem Zusammenhang genannt werden.

Lassen sich die Schweizer Konsumenten vom Preis lenken?
Schon auch. Jedes vierte getrunkene Bier stammt aus dem Ausland. Und sicher machen billige Produkte einen gros­sen Teil davon aus. Ich möchte aber nicht gesagt haben, dass das durchgehend schlechte Biere wären, sie schmecken bloss alle ziemlich gleich.

Welche Art Publikum erwarten Sie am Craft-Bier-Festival?
In erster Linie neugierige Bierfans und Kleinbrauer, die sich informieren wollen. Wie angedeutet, sind viele Marken nur regional erhältlich – bei uns kann man sie auf einmal degustieren. Das spricht Leute aus allen Landesteilen an, natürlich viele aus Zürich, doch kam letztes Jahr auch ein ganzer Bus aus dem Tessin. Den kleinsten Teil machen wohl die Westschweizer aus, weil dort eine ­eigene aktive Szene existiert.

Wie hat man die anwesenden Produzenten ausgewählt?
Der Anlass kommt dank persönlichen Kontakten zustande. Wir kennen die hiesigen Pioniere, berücksichtigen aber auch Neulinge, die uns mit ihren Bierkreationen überzeugt haben. 34 Biersorten von fast 30 Produzenten werden ausgeschenkt.

Wieso fehlt das zurzeit im Raum Zürich omnipräsente Chopfab-Bier? Ist die Brauerei bereits zu gross?
Die Brauerei Doppelleu, die Chopfab produziert, war letztes Jahr dabei. Ich finde gut, was die Jungs aus Winterthur machen, auch wenn die Szene in diesem Punkt gespalten ist, weil die Brauerei ­finanziell mit der grossen Kelle anrührt. Doch von der erzielten Aufmerksamkeit können letztlich, glaube ich, alle kleineren Anbieter profitieren.

Welche Bierspezialität empfehlen Sie einem Lagerbiertrinker, der seinen Horizont erweitern will?
Ein amerikanisches Pale Ale. Es ist obergärig, hat fruchtige Hopfennoten, viel Geschmack. Dieser Bierstil war einer der Auslöser für die Craft-Bier-Bewegung in den USA. Aber aufgepasst, es ist bitterer als die herkömmlichen Produkte.

Quelle: tagesanzeiger.ch