Bangen um billiges Bier

Das Restaurant Orsini bekommt einen neuen Wirt. Der Besitzer Josef Manser will das Wirten nach 14 Jahren aufgeben und sucht einen Pächter. Die Stammgäste machen sich Sorgen, dass der Bierpreis ansteigen könnte.

Das Restaurant Orsini ist ein Ort, wie er in der Stadt selten geworden ist. Die Wände sind holzverkleidet, das Licht ist schummrig und beinahe auf jedem der Tische steht ein grosses Glas Bier. «Alte Beizen wie das ‹Orsini› muss man heute suchen», sagt Stammgast Johann Schmidinger. Der 83-Jährige kommt seit über 50 Jahren hierher und hat schon mehrere Wirtewechsel im Restaurant erlebt. Das letzte Mal vor 14 Jahren. Damals übernahm Josef Manser die alteingesessene Beiz. Nun will auch er mit dem Wirten aufhören. «Es ist an der Zeit, etwas anderes zu machen», sagt Manser. Da ihm die Liegenschaft mittlerweile gehört, will er das Restaurant verpachten. Möglichst an einen Wirt, der die Beiz so weiterführt wie bisher. «Mir ist sehr wichtig, dass alles ungefähr so bleibt, wie es jetzt ist.» Winterthur brauche einen Ort wie das «Orsini», an dem sich sowohl Stadträte als auch Sozialbezüger wohlfühlen könnten. «Wir sind die letzte hundskommune Beiz in der Stadt.»

Wer das Restaurant übernehmen wird, steht noch nicht fest. «Durch Mund-zu-Mund-Propaganda habe ich schon einige Anfragen erhalten, definitiv ist aber noch nichts», sagt Manser. Der Restaurantbesitzer will noch ein Inserat schalten und abwarten, ob es weitere Interessenten gibt. Trotzdem wäre er froh, wenn schnell ein neuer Wirt gefunden wäre. «Eigentlich wollte ich bereits Ende März aufhören», sagt Manser. Nun werde es aber sicher Ende Mai, bis er das «Orsini» einem Pächter übergeben könne. Danach will der Beizer Ferien machen. «Als Erstes brauche ich ein bisschen Ruhe.»

Eine Beiz, keine Pizzeria 

Was nach der Auszeit kommt, weiss der Wirt noch nicht genau. «Ich konnte vom Restaurant gut leben und habe auch Geld gespart», sagt Manser. Dank dem «Orsini» kann der 55-Jährige in den vorzeitigen Ruhestand gehen. Dies, obwohl die Beiz für ihre tiefen Preise bekannt ist. «Ich hatte immer Glück, musste aber auch viel arbeiten.» Die Stammgäste im «Orsini» machen sich nun Sorgen, dass unter dem neuen Wirt die Preise ansteigen werden. «Hier kostet ein grosses Bier vier Franken», sagt Wolf Gosch aus Veltheim. Eine Stange gibt es im «Orsini» für 3.30 Franken. «Das wird sicher nicht so bleiben. Überall sonst zahle ich deutlich mehr.»

Dass die Preise so niedrig bleiben, wie sie jetzt sind, kann auch Besitzer Manser nicht garantieren: «Es kann sein, dass der neue Wirt mehr verlangt.» Doch nicht nur der Bierpreis macht den Gästen Sorgen, sondern auch die Atmosphäre. «Das ‹Orsini› wird ohne Manser seinen Charme verlieren», sagt Bruno Buffat aus Wülflingen. Stammgast Johann Schmidinger indes hofft einfach auf einen neuen Wirt, der aus dem «Orsini» nicht noch eine weitere Pizzeria machen will.

Quelle: landbote.ch