Bier mit Herzblut und Honig

Seit 1998 gibt es im Restaurant Tramdepot eine eigene Bierbrauerei. Braumeister Christian Stoiber zaubert hier mit seinem Team regelmässig ausgefallene Bierkreationen.

«Laut einer Studie trinken Schweizer 50 Liter Bier pro Jahr», sagt Christian Stoiber. «Wenn das aber so ist, sind Berner definitiv keine Schweizer», lacht der Braumeister. «Sie trinken nämlich deutlich mehr.» Er muss es wissen: Seit über zehn Jahren braut er im Tramdepot neben dem Bärenpark die Hausbiere des Restaurants. Dass der Braumeister sein Bier liebt, ist offensichtlich. Feierlich spricht er über Gärungsstufen, Caramelmalz und Hopfenbitter, als wären es geheime Zutaten eines Druidentranks. «Man merkt, ob ein Bier mit Herzblut gebraut wird.»

Drei Standardbiere bietet Christian Stoiber mit seinem Brauer Matthias Koschahre und dem Lehrling Mario Binggeli an. Dazu kommen 18 Spezialbiere pro Jahr, die sich abwechseln. «Teilweise ist der Tank mit dem Spezialbier innert Tagen ausgetrunken, manchmal dauert es Wochen.» Ein Spezialbier ist das India Pale Ale. «Das Bier ist sehr bitter», sagt Stoiber und nimmt einen kräftigen Schluck. Ursprünglich wurden India Pale Ales für den Transport aus England in die indischen Kolonien gebraut, da die bitteren Hopfen während der Reise das Wachstum von schädlichen Bakterien hemmten.

Besonders am Tramdepot-Bier sind die natürliche Trübung – das Bier wird nicht filtriert – sowie die feinperlige Kohlensäure. «Natürlich gebundene Kohlensäure tut in Hals und Bauch nicht weh, da die Blasen kleiner sind», weiss Stoiber.

Honig, Wacholder, Vanille

Viele Biere werden im Tramdepot nach dem deutschen Reinheitsgebot, also nur mit Wasser, Malz, Hopfen und Hefe, gebraut. Andere kombiniert das Brauereiteam mit zusätzlichen Zutaten: «Honig, Wacholder, Vanille, Schokolade, Randensaft», zählt Stoiber auf. Nicht alle Biere, die er ausprobiert hat, haben funktioniert. So sei das Bärlauchbier grauenvoll gewesen.

Feedback zu ihren Kreationen bekommen die Bierbrauer direkt von den Kunden, da die grossen Kupferkessel, in denen die Biere gemischt und abgeläutert werden, neben der Bar stehen. Oft müsse er sich zurückhalten, um nicht mit den Gästen stundenlang über Biere zu fachsimpeln, sagt Stoiber.

Auch im Keller stehen 1600 Liter grosse Tanks. Ungefähr 70 Prozent der Arbeit eines Brauers bestehe darin, täglich diese Tanks zu putzen, so der Deutsche. Pro Jahr trinken die Tramdepot-Kunden mehr als hundert solche Tanks leer, was ungefähr 1800 Hektoliter Bier entspricht, schätzt Stoiber. «Ich sage ja: In Sachen Bierkonsum sind Berner keine Schweizer.»

Quelle: bernerzeitung.ch

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