Bierbars schiessen wie Pilse aus dem Boden

Quelle: 20min.ch
In Zürich boomen Bars, die hunderte von Biersorten anbieten. Kenner glauben, dass Bier bald einen ähnlichen Stellenwert hat wie Wein.

200 Biermarken von süss über fruchtig bis herb: Diese riesige Auswahl gibt es im Erzbierschof im Kreis 4, der am letzten Mittwoch eröffnet wurde. Es ist bereits die vierte Filiale in der Schweiz, wie Mitinhaber Toni Flükiger sagt: «Wir möchten den Leuten die Biervielfalt näherbringen.» Dazu gehöre eine ausführliche Beratung: «Sogar wer das Getränk nicht mag, kann bei uns ein passendes Bier finden.»

Dies verspricht auch Christian Langenegger, der seit Dezember die Bierbar The International im Kreis 5 führt. Er bietet rund 100 Biersorten an – 50 davon kommen allein aus der Schweiz: «Wir wechseln unsere Sorten ständig aus und haben auch ausgefallene Geschmäcker wie Schokolade, Honig oder Himbeere im Angebot.» Das hat seinen Preis – viele seiner Biere kosten um die zehn Franken.

Der Anfang der Bierrevolution

Dass es in Zürich in so kurzer Zeit zwei neue Bierbars gebe, sei kein Zufall, meint Christian Jauslin, der mit einem Freund den Blog Bierversuche.ch führt: «In den letzten vier Jahren hat sich viel getan – die Nachfrage nach einer grössen Vielfalt wächst.» Diese habe damit zu tun, dass es in der Schweiz immer mehr kleine Brauereien gibt: «Auch haben uns die Expats die Bierkultur aus ihrer Heimat nähergebracht.»

Die beiden Blogger haben Bierlokale in der ganzen Schweiz getestet und finden, dass die Zürcher einigermassen verwöhnt sind: «Hier gibt es neben dem Erzbierschof und The International zahlreiche Bars mit einer grossen Auswahl.» Etwa das Eldorado, Fork and Bottle, das Federal im HB oder das Kaiser Franz, so Jauslin.

«Image eines simplen Erfrischungsgetränk»

Trotzdem glaubt er, dass wir erst am Anfang einer Bierrevolutionen stehen: «Das wird wohl sein wie beim Wein – vor etwa 30 Jahren gab es in den meisten Restaurants nur zwei Sorten, was heute nicht mehr denkbar wäre.»

Das hofft man auch beim Schweizer Brauerei-Verband, wie Geschäftsführer Marcel Kreber sagt: «Bier hat leider immer noch vielerorts das Image eines simplen Erfrischungsgetränks, das man bei Fussballspielen oder nach der Arbeit auf dem Bau trinkt.» Dabei könne Bier genauso zu einem guten Essen oder zu einem besonderen Anlass passen wie Wein.