Braujahr 2012/13: Inlandbrauereien bleiben kämpferisch

Im Braujahr 2012/2013 nahm der schweizerische Gesamtbiermarkt um 0,9 Prozent auf 4’579’744 Hektoliter Bier ab. Die inländische Bierproduktion verringerte sich um 4,1 Prozent. Die Bierimporte nahmen um 9,1 Prozent zu. Die Ursachen für die Abnahme sind im schlechten Wetterverlauf aber auch im anspruchsvollen wirtschaftlichen und politischen Umfeld zu suchen.
Der gesamte Biermarkt Schweiz verzeichnete im Braujahr 2012/13 (1. Oktober 2012 bis 30. September 2013) eine Abnahme von 0,9 Prozent oder 43’887 Hektoliter (hl) Bier auf 4’579’744 hl (457’974’400 Liter). Das Resultat ist geprägt durch eine Abnahme des Inlandausstosses der Schweizer Brauereien um 4,1 Prozent auf 3’385’976 hl, was einem Marktanteil von 73,9 Prozent (Vorjahr: 76,3 Prozent) entspricht. Einen Anstieg um 9,1 Prozent (Vorjahr: 4,1 Prozent) verzeichneten die Bierimporte. Diese bestehen zum grössten Teil aus Billigbier, vor allem die grosse Zunahme im Berichtsjahr. Der Bierimportanteil am gesamten Biermarkt Schweiz beträgt 26,1 Prozent (Vorjahr: 23,7 Prozent) oder 1’193’768 hl.
Herausforderungen Wetter, Wirtschaft und Politik
Der nasskalte Frühling 2013 hat seine Spuren hinterlassen. Die Sommermonate mit gutem Bierwetter waren zu wenig, um die verlorenen Hektoliter aufzuholen. „Es ist eine Tatsache, dass schönes und warmes Wetter die Lust nach einem frischen Bier fördert, von diesen Momenten gab es im ersten Halbjahr 2013 definitiv zu wenig“, so Dr. Markus Zemp, Präsident des Schweizer Brauerei-Verbandes.
Neben den meteorologischen Herausforderungen kämpfen die Inlandbrauereien nach wie vor mit der wirtschaftlich angespannten Lage und der Euroschwäche. Der Druck auf die Kosten in der Produktion und im Vertrieb ist nach wie vor hoch und der Einkaufstourismus ist ungebrochen. Aber auch das vermehrte Ausbleiben von Touristen aus bieraffinen Ländern wie Deutschland, Holland und Grossbritannien wirkt sich negativ auf den Bierkonsum aus, welcher in den letzten Jahren nur noch leicht zugenommen hat. Für die Gastronomie kommt erschwerend hinzu, dass die Stammtischkultur an vielen Orten nicht mehr wie früher gepflegt wird. Hier haben die Rauchverbote einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der Entwicklung. „Der Trend weg von der Gastronomie hin zum Heimkonsum und somit zum
Biereinkauf im Detailhandel hat sich im Berichtsjahr abermals bestätigt“, analysiert Marcel Kreber, Direktor Schweizer Brauerei-Verband.
Auch das politische Umfeld fordert die Inlandbrauereien. So befasst sich das nationale Parlament mit der Revision des Alkoholgesetzes, welches sich zurzeit in der Differenzbereinigung befindet. Dabei kämpft der Schweizer Brauerei-Verband an vorderster Front gegen die umstrittene Einführung eines vom Alkoholgehalt abhängigen Mindestpreises. Bei diesem handelt es sich um ein unspezifisches Instrument der Alkoholprävention, das erst noch äusserst schwierig umzusetzen wäre. Eine staatlich angeordnete Preiserhöhung für Alkohol trifft alle Konsumentinnen und Konsumenten und ist somit nicht zielgruppenspezifisch. Der Schweizer Brauerei-Verband lehnt auch nächtliche Alkoholverkaufsverbote ab, da sie einen starken Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit darstellen würden.
Schweizer Bier-Sommelier und „Tag des Schweizer Bieres“ gegen Stagnation
Trotz all der Herausforderungen geben sich die Inlandbrauereien kämpferisch. Mit einer wachsenden Biervielfalt, grosser Innovationskraft und hohen Qualitätsansprüchen wird Gegensteuer gegeben. Vor diesem Hintergrund ist auch der seit 2011 von GastroSuisse und dem Schweizer Brauerei-Verband angebotene Ausbildungskurs zum Schweizer Bier-Sommelier einzuordnen. Dieses Seminar hat zum Ziel, die Bierkompetenz in der Schweiz und der Gastronomie zu erhöhen und der Schweizer Bevölkerung das jahrtausendalte Kulturgetränk mit all seinen Facetten noch besser bekannt zu machen. Am 28. November 2013 findet bereits die fünfte Zertifikatsfeier für die neuen Schweizer Bier-Sommeliers statt. Neu wird der Kurs auch in der Romandie angeboten.
Am 25. April 2014 feiert die Schweiz zudem den „Tag des Schweizer Bieres“. Dieser Tag soll Bier im Zusammenhang mit „Bierkultur und Brauereitradition“ erlebbar machen. Zugleich versinnbildlicht er auch den Start in die Biersaison. Am Abend des 25. Aprils 2014 wird der Bierorden „ad gloriam cerevisiae“ einer bekannten Persönlichkeit verliehen. Wer folgt auf Bundespräsident Ueli Maurer?
Quelle: bier.ch