Das Bad Kyburg hat jetzt eine eigene Brauerei im Hinterzimmer

Rudolf Schnorf belebt den Gasthof Bad Kyburg neu. Am 2. April öffnet der Restaurant- und Hotelbetrieb mit einer hauseigenen Brauerei und zwölf einzigartigen Zimmern.

Nein, das ist kein Aprilscherz: Ab dem 1. April ist das Bad Kyburg wieder offen. Mit rustikaler Gaststube, moderner Bar und violettem Baum vor dem Haus. Stolz führt Andrea Carina Obi durch die Räumlichkeiten. Die junge Betriebsleiterin – die eigentlich die Bezeichnung «Gastgeberin» viel schöner findet – geht zuerst zur halbautomatischen Kaffeemaschine. «Wir wollten keine Vollautomatische», erklärt sie. «Der Kaffee schmeckt einfach besser, wenn noch Handarbeit drin steckt.» Dann deutet sie auf den Tresen, hinter dem eine Maischepfanne und ein Läuterbottich kupfern glänzen. «Wir haben handgemachten Kaffee und selbstgebrautes Bier. An diesen beiden Getränken wird man in der Schweiz gemessen.»

In der Bar mit dem Metall-Design wird gerade die Decke nochmals bemalt. Auf den Tischen stehen Barhocker, die aus Stahlträgern gefertigt sind, wie es scheint. «Los, versuchen Sie einen zu stemmen», fordert Obi heraus. Der Hocker ist federleicht. Die Gastgeberin schmunzelt. «Da fällt jeder drauf rein.»

Der letzte Schliff

Bis auf das Alkoholfreie wird im Bad Kyburg ausschliesslich Bier über den Tresen gehen, das im Haus selbst produziert wurde.

Im Hinterzimmer stehen vier Drucktanks, in denen Helles, Dunkles und Weizenbier entsteht. Das Weizen wird allerdings erst für die Solothurner Biertage rechtzeitig fertig sein. Auch hier in der Brauerei wird noch fleissig gearbeitet und alles für die Eröffnungsfeierlichkeiten vorbereitet. «Wenn es die letzte Minute nicht gäbe, würde nie etwas fertig werden», sagt Inhaber Rudolf Schnorf und lacht. Heute abend dürfen die Facebook-Fans des Bad Kyburgs das Gebäude besichtigen. Etwa 180 Personen haben sich dafür angemeldet. Am Samstag sind die VIP-Gäste an der Reihe, am Sonntag hauptsächlich Kunden des Golfplatzes.

Andrea Carina Obi steigt die Treppe hoch. Das Hotel verfügt über einen eleganten Seminarraum und zwölf Schlafzimmer (zehn Doppelzimmer), die alles völlig unterschiedlich eingerichtet sind. «Jedes Mal, wenn ich ein Zimmer betrete, entdecke ich etwas Neues», sagt Obi.

Elf Geschichten und eine Inspiration

Im «Malibu»-Zimmer steht ein Schiff auf der Kommode; der Raum erinnert an ein Strandhaus. «Das Limpachtal ist für mich wie das Meer», erläutert Rudolf Schnorf. «Und ein Meer hat es ja im Mittelland tatsächlich einmal gegeben.» Das Zimmer soll den Blick des Gastes aus dem Fenster auf diesen Buechibärger Ozean richten. Noch wichtiger ist das Fenster im Zimmer «My Home is my Castel». Hier gibt es kaum Deko, nur die eindrückliche Aussicht auf das Schloss Buchegg.

Jedes der zwölf Zimmer hat seine eigene Geschichte, die dem Gast bei Ankunft in Form eines A4-Blatts auf dem Kopfkissen offenbart wird. Jedes bis auf eines: Im zwölften Zimmer wird der Gast aufgefordert, selbst eine Geschichte zu schreiben. «Wir wollen die Leute inspirieren», sagt Schnorf, der mit dem Hotel und dem violetten Baum vor dem Gebäude vor allem eines will: einen Farbtupfer im grünen Bucheggberg schaffen.

Rudolf Schnorf: «Kleinbrauereien sind Trend»

Seit 2009 fabrizieren die Buechibärg Brauer Urs Aebi und Adolf Kipfer ihr eigenes Bier. Für die ehemaligen Garagen-Brauer, deren Handwerk am alten Arbeitsplatz nicht mehr zonenkonform war, sei der Einzug in das Bad Kyburg ein Quantensprung, so Inhaber Rudolf Schnorf, der für seine hauseigene Brauerei das modernste Equipment angeschafft hat. Auch Ronny Ankli, der ausgebildete Brauer, der neu zum Team stösst, freut sich: «Hier kann ich den ganzen Entwicklungsprozess mitgestalten.» Erst gerade hat er sein eigenes Weizenbier kreiert. Die Rezeptur für das Dunkle und Helle hat er von den Bucheggbergern übernommen. Mit 40 000 Litern pro Jahr wird die neue Brauerei im Bad Kyburg nicht nur den Gastrobetrieb im Haus, sondern auch andere Restaurants versorgen. Ist die Nachfrage gross, so könne man die Produktion mit zusätzlichen Drucktanks bis auf 120 000 Liter pro Jahr vergrössern, sagt Schnorf. Er ist zuversichtlich: «Kleinbrauereien sind weltweit im Trend. Es entwickelt sich ein neues Qualitätsbewusstsein, weg vom Einheitsgeschmack der Grosskonzerne.»

Quelle: solothurnerzeitung.ch

 

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