Das einzige Klosterbier der Schweiz

Quelle: thurgauerzeitung.ch

Ende März nimmt die Brauerei Kloster Fischingen AG ihren Betrieb auf. Sie will die Nische der professionell gebrauten, hochpreisigen Biere besetzen. Initiator des Unternehmens ist der Frauenfelder Martin Wartmann. Er entwickelte einst das «Original Ittinger Klosterbräu».

«Wir sind die einzigen in der Schweiz», sagt Martin Wartmann und meint damit nicht alleine sein künftiges Unternehmen, sondern vielmehr dessen Standort. Unter dem Namen «Pilgrim», zu Deutsch «Pilger», wird ab Ende März im Kloster Fischingen Bier gebraut. Die einzige Brauerei in einem Kloster– schweizweit, wie ein sichtlich stolzer Martin Wartmann wiederholt betont.

Und er muss es wissen. Wartmann ist Brauer durch und durch. Vor 40 Jahren übernahm er die Leitung der Actienbrauerei Frauenfeld, später entwickelte er das «Original Ittinger Klosterbräu» und er gründete die «Back&Brau»-Gruppe mit. Heute ist er Verwaltungsratspräsident der Frauenfelder Brauhaus Sternen AG.

Idee in Meditationspause

Die Idee, in Fischingen Bier zu brauen, sei Wartmann vor 15 Monaten in der Pause einer Zenmeditation gekommen. Diese altehrwürdigen Mauern seien die perfekte Umgebung, habe er sich gedacht. Er suchte den Kontakt zu Roman Müggler, dem Präsidenten des Vereins Kloster Fischingen.

Viel Überzeugungsarbeit habe es nicht gebraucht, sagt Müggler. «Wir suchten sowieso nach einer Möglichkeit, unsere Räumlichkeiten besser zu nutzen.» In die Brauerei involviert sei der Klosterverein indes nicht. Er ist Vermieter. «Und wir hoffen auf eine gegenseitige Befruchtung», sagt Müggler. Schliesslich soll das künftige Sudhaus, das im einstigen Ökonomiegebäude des Klosters untergebracht wird, dank viel Glas einen Einblick in den Betrieb gewähren und so nicht zuletzt eine Attraktion für die Gäste des neuen Seminarhotels sein. Dieses ist denn auch der einzige schon feststehende Verkaufskanal – nebst dem Internet. Man wolle erst den Betrieb aufnehmen und danach – noch im Laufe dieses Jahres – die Vermarktung aufbauen. In den Regalen von Grossverteilern dürfte «Pilgrim» dabei kaum zu finden sein. Vielmehr habe er im Bereich der «professionellen, hochpreisigen Biere» eine Marktnische ausgemacht, sagt Martin Wartmann.

Mit dereinst 300 000 Flaschen jährlich, so das mittelfristige Ziel, wollen die Fischinger Brauer diese Nische besetzen. Den Ausdruck «Klosterbräu» vermeiden sie dabei tunlichst. «Wir stellen kein Gebräu her», sagt Wartmann und lacht. «Warm vergärend» sei der Herstellungsprozess, womit man sich grundlegend von der Kaltvergärung industrieller Biere unterscheide.

Haldengut-Spross als Präsident

Für die Gründung der Brauerei Kloster Fischingen AG und die Besetzung besagter Nische holte sich Wartmann einen anderen Branchenkenner ins Boot. Der Winterthurer Andreas Schöllhorn wirkt als Verwaltungsratspräsident. Er ist ein Spross jener Familie, die von 1875 bis zum Verkauf an den holländischen Heineken-Konzern 1993 die Brauerei Haldengut führte. Der heute 60-Jährige war zuletzt Geschäftsführer des Winterthurer Traditionsunternehmens. Der Unternehmer Fredy Lienhard (Lista AG) schliesslich komplettiert das Aktionärstrio.

Seit gestern installieren Mitarbeiter einer Elgger Industrieumzugsfirma die technischen Anlagen. Im Sudhaus entsteht so das künftige Wirkungsfeld von Philipp Krickl. Der deutsche Getränketechnologe wird als Braumeister Biere kreieren, die unter dem Namen «Pilgrim» für Furore sorgen sollen. «Wir wollen alte Rezepte neu interpretieren», sagt Wartmann. Angedacht sind ein «Basis-Bier» sowie eine noch unbestimmte Anzahl von Spezialitäten. Gemeinsam wird ihnen sein, dass sie aus Fischinger Quellwasser gebraut werden. «In Mineralwasserqualität», betont Klosterdirektor und Verwaltungsrat Werner Ibig.