Das Goldküstenbräu kehrt zurück

Die Braukultur AG hat ein Stammhaus gefunden: die altehrwürdige Brauerei Uster, die 1978 ihre Tore schliessen musste. Zu verdanken ist der Coup nicht zuletzt Anlegern vom rechten Seeufer.

Als die Brauerei Uster 1978 geschlossen wurde, ging ein Trauerzug durch die Stadt: In einem schwarzen Sarg trugen die Bürger eine Flasche «ihres» Usterbräus symbolisch zu Grabe. Anfang Jahr hatte die Zürcher Brauerei Hürlimann den kleinen Konkurrenten aus der Provinz übernommen, um ihm kurz danach den Hahn zuzudrehen.

Jetzt, über 32 Jahre nach der bierseligen Trauerfeier, wird die stillgelegte Brauerei unterhalb des Schlosses wieder zum Leben erweckt: Ab Dezember will die Braukultur AG in Uster ihre beiden Marken Goldküstenbräu und Oberländerbräu produzieren – mit modernen Anlagen aus Bayern, die nächstens geliefert werden sollen. Gelüftet wurde das Geheimnis gestern an einer Pressekonferenz auf dem Areal der über 150-jährigen Brauanlage. «Wir sind stolz, dass wir inmitten dieser herrlichen, geschichtsträchtigen Gebäude brauen können», sagte Patrick Bloch, Delegierter des Braukultur-Verwaltungsrates. Tatsächlich ist die Anlage ein Denkmal des Industriezeitalters: Neben zwei Backsteinhäusern, die an die Feldschlösschen-Brauerei erinnern, umfasst es ein imposantes Malzsilo, ein altes Sudhaus und einen antiken, stillgelegten Maschinenraum. Goldküsten- und Oberländerbräu sollen in einem Neubau gebraut werden, der derzeit neben dem Malzsilo entsteht.

Brauerpaar erlebte Desaster

Mit dem Umzug der Braukultur AG nach Uster geht eine lange und leidvolle Suche zu Ende. Bereits 2007 begannen sich die «Erfinder» des Goldküstenbräus, Lars und Manuela Hovind, nach einem neuen Standort umzusehen, denn ihre Hobbybrauerei in Uetikon war zu klein geworden. Doch für die Hovinds endete das Ganze in einem Desaster: Nach einem gescheiterten Projekt in Bubikon und einer Affäre um die Rechte an der Marke Goldküstenbräu mussten sie ihre Brauerkarriere im Frühling 2009 beenden. Die Braukultur AG, die sie 2007 gegründet hatten, wurde von diesen Turbulenzen jedoch verschont und setzte die Suche fort. Die Produktion des Goldküsten- und des Oberländerbräus war bereits früher der Berner Firma Aarebier übertragen worden.

Patrick Bloch kommentierte die Odyssee gestern so: «Wir haben lange gesucht und mussten einige Enttäuschungen einstecken.» Unter anderem habe man Standorte in Egg – neben der Forchautobahn – und in Wetzikon geprüft. Aber nur in Uster habe man ideale Bedingungen angetroffen. Tatsächlich fand die Braukultur AG in Uster nicht nur ein Brauerei-Bijou, sondern auch einen idealen Geschäftspartner und Vermieter: Hanspeter Bucher. Der ehemalige Kadermann der Brauerei Hürlimann hat die Anlage in Uster gekauft und betreibt in der ehemaligen Abfüllerei einen Getränkedienst. Er wird die Logistik der Braukultur AG übernehmen und ihr auch das Problem der Lagerung abnehmen. «So können wir beliebig wachsen», sagte Patrick Bloch. Für das neue Gebäude, das für die Brauerei eingerichtet wird, investiert Bucher nach eigenen Angaben rund 4 bis 4,5 Millionen Franken. Die Kosten für die Infrastruktur – 1,9 Millionen Franken – werden dagegen von der Braukultur AG übernommen. Laut Patrick Bloch sind 1,2 Millionen bereits kapitalisiert. Das restliche Geld soll durch den Verkauf von Liebhaberaktien beschafft werden. Am 6. Mai wird den Aktionären eine Kapitalerhöhung von 800’000 Franken beantragt werden. Obwohl die Firma ins Oberland zieht, ist sie auf der anderen Seite des Pfannenstiels nach wie vor stärker verankert: Zwei Drittel der Anleger wohnen nach Angaben von Patrick Bloch an der Goldküste.

Ein Zwerg im Markt

Letztes Jahr liess die Braukultur AG bei der Aarebier rund 40’000 Liter Bier brauen. Damit das Ganze in Uster rentiert, müssen es künftig mehr sein: Erst bei 150’000 Litern werde man anfangen, Geld zu verdienen, war gestern zu hören. Damit wird man immer noch zu den Zwergen gehören: Die Zürcher Turbinenbräu etwa produziert jährlich 1,5 Millionen Liter. Und in Uster wurden zu den goldenen Zeiten des Usterbräus rund 4 Millionen Liter Gerstensaft abgefüllt.

Goldküstenbräu

Die Geschichte des Goldküstenbräus ist zwar noch kurz, aber geprägt von zündenden Ideen, grossen Träumen und geschäftlichen Pleiten.

Alles begann 2005, als der Uetiker Hobbybrauer Lars Hovind mit seiner Frau die Firma Goldküstenbräu GmbH ins Leben rief. Das Bier aus Uetikon kam in der Region gut an: 2007 wurden bereits 70’000 Liter produziert, und im selben Jahr kündigten die Hovinds an, dass sie die Produktion steigern wollten. Da die Hobbybrauerei in Uetikon längst zu klein geworden war, mussten sich die beiden auf die Suche nach einem neuen Standort machen – und damit begannen die Probleme.

Denn der Plan des Paares, mithilfe von Kleinaktionären und Investoren eine Gasthaus-Brauerei an der Goldküste zu eröffnen, musste schon bald fallen gelassen werden: Es gab kein geeignetes und bezahlbares Land. Fündig wurde man schliesslich in Bubikon. Nachdem der wichtigste Investor abgesprungen war, versuchte Hovind über die Gründung der Braukultur AG neue Aktionäre anzuwerben, was ihm auch gelang. Zudem wurde mit dem Oberländerbräu ein neues Bier lanciert. Das Projekt in Bubikon wurde Ende 2008 jedoch überraschend beerdigt, weil sich die Braukultur AG nach einem grösseren Standort umsehen wollte. Die Goldküstenbräu GmbH bekam dagegen Anfang 2009 ein ernsthaftes Problem: Ein Investor verlangte sein Geld zurück, und die Firma musste Konkurs anmelden. Kurze Zeit später traten die Hovinds aus dem Verwaltungsrat der Braukultur AG zurück. Denn sie hatten die Anleger der GmbH falsch über die Rechte am Namen Goldküstenbräu informiert: Die Rechte lagen bis 2008 bei Lars Hovind und danach bei der Braukultur AG – und nicht bei der Goldküstenbräu GmbH, wie den Anlegern mitgeteilt worden war.

Alte Geschichte vergessen

Der heutige Verwaltungsratsdelegierte der Braukultur AG und frühere Geschäftspartner der Hovinds, Patrick Bloch, möchte diese alte Geschichte am liebsten vergessen: «Wir können keine Verantwortung für die Goldküstenbräu GmbH übernehmen», sagte er gestern, «denn rechtlich hatte sie nie etwas mit der Braukultur AG zu tun.»

Quelle: tagesanzeiger.ch

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