Der Biermissionar vom Flughafen

Im Hochhaus über dem Airborne-Restaurant am Flughafen Zürich geht Michael Sack, Leiter Cargo bei der Flughafen Zürich AG, seiner Arbeit nach. Hier wurde ebenfalls aus seiner Freizeitbeschäftigung eine Geschäftsidee: das Bierbrauen.

Michael Sack ist Head Cargo bei der Flughafen Zürich AG. Seine Leidenschaft aber gehört der Bierbrauerei. Die Liebe zum Gerstensaft hat er bereits in jungen Jahren in der Brauerei seines Grossvaters entdeckt. Als kleiner Knirps durfte er vom alkoholfreien Malzbier kosten. «Der Brauvorgang und die richtige Mischung aus Hopfen, Malz und Hefe hat mich schon als kleiner Junge ungeheuer fasziniert», sagt er.

Ein Bier nach seinem Geschmack

Wenn Sack von seiner Passion erzählt, gibt es für ihn kein Halten mehr. «Ich missioniere leidenschaftlich im Namen des Bieres», sagt er. Der Vater von zwei Söhnen ist ein Bierkenner, viele Führungen habe er für seine Kollegen in Brauereien gehalten und sein Fachwissen weitergegeben. «Irgendwann aber habe ich einfach kein Bier mehr gefunden, welches mir schmeckte», erzählt Sack. Da habe er begonnen, selber zu brauen, um ein Bier ganz nach seinem Geschmack zu kreieren.

Die ersten Versuche habe er noch in der eigenen Küche unternommen, später dann gemeinsam mit Mitarbeitern in der Küche des Airborne-Restaurants am Flughafen. Aus der jahrelangen Tüftelei ist eine braune Bügelflasche mit gelbem Etikett hervorgegangen: das Zurich Airport Beer (ZAB). Gut darin verschlossen, findet sich ein Tropfen von feinster Qualität wieder. Denn diese steht für den gebürtigen Deutschen an oberster Stelle. «Das Airport Zurich Beer ist ein Premiumprodukt, welches noch echtes Handwerk verkörpert», stellt Sack klar. Nicht nur Qualität, sondern auch Nachhaltigkeit stehen für den Biertrinker im Vordergrund. Neben umweltfreundlichen Pfandflaschen dürfen sich schottische Hochlandrinder über die Treber, ein Abfallprodukt beim Bierbrauen, freuen.

Vor drei Jahren war es dann so weit, und das erste ZAB wanderte über den Tresen. «Auf einmal wollten es alle haben», erzählt Sack. Die Verkaufszahlen hätten sich jährlich verdoppelt, so dass er im letzten Jahr gut 11 000 Flaschen verkaufen konnte. Wie es sich für ein Flughafen-Bier gehöre, sei das Zürcher Flughafen-Bier sehr international – nur das Wasser komme aus der Schweiz, wie der Hobbybrauer erzählt. Das Malz bezieht Sack aus Franken, die Hefe aus Oregon in den USA und den Aromahopfen vom Bodensee, aus der Steiermark und aus England. Gebraut wird es heute längst nicht mehr in der Cargo-Küche, sondern in der Kündig Brauerei in Rietheim AG – und das nach bayerischem Reinheitsgebot.

Neben dem naturtrüben Original hat Sack auch ein Brown Ale im Sortiment. «Mit seinem etwas malzigeren Geschmack spricht es vor allem Frauen an», erklärt er. Seine Frau dagegen missioniere eher in den Gefilden des Weines. «Zu Weihnachten aber wünscht sie sich von mir immer einen eigenen Biersud, den ich dann ganz nach ihrem Geschmack braue», erzählt er.

«Die Dosis macht das Gewicht»

Sack hat sich über die Jahre ein beeindruckendes Fachwissen über Bier angeeignet und räumt sogleich mit einem Vorurteil auf. «Den sogenannten Bierbauch gibt es nicht», erklärt er. Bier habe kaum Kalorien, aber es wirke appetitanregend, und der Gang zum Kühlschrank sei schon dem einen oder anderen Bauch zum Verhängnis geworden. «Aber wie schon Paracelsus sagte: Die Dosis macht das Gewicht», lächelt Sack.

Trotz des enormen Erfolgs solle das Bierbrauen aber Hobby bleiben. «Ich möchte das ZAB ausschliesslich in und um den Flughafen verkaufen. Ich habe hier ein enormes Zielpublikum, nur schon alleine 25 000 Mitarbeiter, ganz zu schweigen von den 25 Millionen Passagieren am Flughafen», sagt Sack. Massenproduktion sei nicht sein Ziel. Zukunftsvisionen für sein Hopfengetränk aber hat der Brauer allemal. «In den nächsten zehn Jahren wünsche ich mir, dass mein Bier direkt vom Fass im Terminalbereich des Flughafens ausgeschenkt wird», erklärt er.

Über die Gasse

Alle zwei Monate werden rund 1000 Liter Sud gebraut, diese werden in rund 11 000 Flaschen pro Jahr abgefüllt. Danach lagert der feine Gerstensaft vier bis sechs Wochen, bevor er für Fr. 4.70 pro Flasche (plus Fr. 1.50 Depot) in den Verkauf geht. Über die Gasse kann das Premiumbier ausschliesslich im Airborne-Restaurant im Frachtbereich des Flughafens Zürich erworben werden. Zudem führen das «Radisson Blu» oder die VIP-Lounge am Flughafen das ZAB im Sortiment.

Quelle: zuonline.ch

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