Die lokalen Brauer haben das Nachsehen

Der Fall des Biermonopols in den städtischen Restaurants bringt den lokalen Kleinbrauereien wenig. Heineken konnte viele Kunden halten. Das Rennen bei den Umsteigern haben die Appenzeller gemacht.

Mit dem Entscheid des Stadtrats, den Biervertrag mit der Haldengut-Besitzerin Heineken auslaufen zu lassen, taten sich für die lokalen Bierbrauereien neue Marktchancen auf. Ab 2013 sind die Pächter der 14 städtischen Restaurants in der Wahl ihres Bierlieferanten frei. Übertriebene Wachstumshoffnungen hatten die Produzenten von Stadtguet und Euelbräu daraus zwar nicht abgeleitet. Trotzdem stellt sich nun, zwei Monate nach dem Entscheid, eine leichte Ernüchterung ein. Heineken/Haldengut konnte, wie allgemein erwartet, die meisten Wirte als Kunden behalten. Schwerer wiegt, dass bei den Umsteigern ein Auswärtiger das Rennen gemacht hat: die Appenzeller Brauerei Locher, die für ihr Quöllfrisch- und Vollmond-Bier bekannt ist.

Wenn auch die noch laufenden Verhandlungen zu einem guten Ende geführt würden, beliefere Locher künftig «rund ein Drittel» der städtischen Restaurants, sagt Ruedi Signer, der Medienbeauftragte der Brauerei. «Wir haben früh vom Fall des Biermonopols Wind bekommen», erzählt er. Umgehend habe man den Kontakt zu den Wirten gesucht. Dabei sei von Vorteil gewesen, dass Locher mit dem Seemer Erb-Getränkehandel zusammenarbeite und in Winterthur damit über ein gutes Betriebsnetz verfüge.

Nur kleine Kunden verloren 

Heineken bestätigt, dass einzelne Restaurants abgesprungen seien. Verkaufschef Toni Schneider spricht von drei Betrieben. Er relativiert aber: Es seien vor allem solche mit kleinem Bierumsatz. Mengenmässig habe Heineken 10 Prozent eingebüsst, diese allerdings an die Appenzeller Konkurrenz. «Es ist genau nicht das passiert, was der Stadtrat mit seiner Massnahme bezweckte», konstatiert Schneider. «Die lokalen Brauer sind nicht zum Zug gekommen.»

Für die Winterthurer Kleinbrauereien ist der Wechsel der Wirte auf Appenzeller Bier eher ein Nachteil. Haldengut ist seit der Übernahme durch den internationalen Heineken-Konzern für viele Konsumenten kein echtes Schweizer Bier mehr, obwohl es im Inland gebraut wird. Die Produkte der Firma Locher dagegen verkörpern Heimat und Regionalität. Für die lokalen Brauereien, deren Biere von Wirten oft als Zweitbiere geführt werden, ist es entsprechend schwieriger, sich von den Locher-Produkten abzuheben.

Obwohl sie nicht als Gewinner aus der Liberalisierung hervorgehen, bleiben die Winterthurer Bierbrauer aber zuversichtlich. «Wir sind gut aufgestellt», sagt Beat Spälti, Geschäftsführer der Brauerei Stadtguet. Zudem bestünden gute Chancen, dass sich zumindest ein Restaurantbetreiber noch für Stadtguet entscheide. Daniel Reichlin von der Wülflinger Kleinbrauerei Euelbräu hat sich gerade mit Coop über den Vertrieb seines Bieres geeinigt. Wie sich das Geschäft mit den städtischen Restaurants entwickle, werde das nächste Jahr zeigen, sagt er. Die Zeit vor Weihnachten sei für Zweitbiere ohnehin nicht die beste Periode.

Knebelverträge werden seltener 

Tatsächlich haben die Wirte künftig einen grossen Spielraum. Die Appenzeller Brauerei Locher schliesst mit ihren Kunden keine Bierverträge ab, die den Verkauf von Konkurrenzprodukten einschränken. Und auch neben Heineken-Produkten haben Zweitbiere Platz. Einige Wirte haben zudem dar­auf verzichtet, sich auf Jahre an einen Lieferanten zu binden – interessant sind solche Verträge vor allem, weil die Grossbrauereien dafür Rückvergütungen zahlen.

«Wir werden bei Haldengut bleiben, aber ohne Vertrag», sagt Roland Häusermann vom «Strauss». Karin Hunold vom Restaurant Obergass hat zwar einen Fünfjahresvertrag mit Heineken abgeschlossen. Neben Haldengut und Ittinger im Offenausschank will Hunold aber auch Flaschenbiere anbieten. Sie werde im nächsten Jahr entscheiden, was sie ins Sortiment aufnehme. Bei Heineken heisst es, die klassischen Bierverträge gehörten generell der Vergangenheit an.

Quelle: landbote.ch

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