Diese beiden brauen das «Oberdörfer Chäuerbräu» in ihrer Waschküche

Selten und wohlschmeckend: Das junge «Oberdörfer Chäuerbräu» ist begehrt. Hergestellt wird es von Mario Roos und Adolf Stüdeli in einer Waschküche.

Mario Roos und sein Schwager Adolf Stüdeli sitzen gemütlich am Tisch im Keller. Es riecht nach Waschpulver, aber aussehen tuts nach Bierbrauerei: Flaschen, Tanks und eine Abfüllanlage stehen im Raum, auch Fässer und ein Zapfhahn. «Früher war das die Waschküche meiner Frau», sagt Roos und lacht, «heute ist es eine Brauerei, in der meine Frau die Wäsche macht.»

Hergestellt wird hier das «Oberdörfer Chäuerbräu», ein seltener Tropfen, denn das Bier von Roos und Stüdeli steht in keinem Geschäft. Die beiden Brauer verkaufen ihre Ware an fasnächtlichen Anlässen, an privaten Festen und an der «Oberdörfer Chüubi», wo sie 2012 das «Chäuerbräu» zum ersten Mal offiziell unter die Leute brachten. Ansonsten kann das Bier nur direkt ab Keller erworben werden – wenn Mario Roos noch welches an Lager hat. Das Selbstgebraute geht weg wie warme Semmeln.

Von der Bieridee zur Brauerei

Der Gemeinde-Abwart schenkt einige Gläser zur Degustation ein und setzt sich wieder. Frisch, aromatisch, leicht süss: So schmeckt das Blonde, das bisweilen erst ein erlauchter Kreis getrunken hat. Und das Feedback war fast durchwegs positiv: bis auf zwei Ausnahmen, doch der eine davon, sagt Roos, habe halt «Blutgruppe Feldschlösschen», da könne man nichts machen. Alle anderen schätzen das Lager, das nicht so bitter ist, das würzige Dunkle oder das Weizenbier, das (laut den Brauern) selbst diejenigen Frauen mögen, die sonst kein Bier trinken. In der Adventszeit hatten Roos und Stüdeli zudem Weihnachtsbier im Angebot, selbst an einem Pfefferbier haben sie schon experimentiert.

Angefangen hat alles relativ einfach: mit einem Besuch der Solothurner Biertage 2011, wo Adolf Stüdeli auffällig grosses Interesse am Stand der «SIOS Homebrew» zeigte. Die anwesenden Fasnachtswagenbauer «Die Wüude», denen auch Mario Roos angehört, schlugen Stüdeli vor, doch selbst mit dem Brauen anzufangen. Die Beiden lächeln schelmisch, als sie ihre Geschichte erzählen; zwei, die ihre Berufung gefunden haben.

Kurze Zeit nach den Biertagen besuchten Roos und Stüdeli einen Kurs, liessen sich im Handelsregister als Brauerei Nummer 475 eintragen, weil man in der Schweiz sonst nur 400 Liter Bier pro Jahr herstellen darf, und ersetzten schliesslich ihren 20-Liter-Tank durch einen, der 100 Liter fasst, da man ja 20 Liter schon alleine während des Brauens trinke.

Brauen macht erfinderisch

«Wir betreiben das als Hobby», sagt Roos, «man kann kein Geld verdienen.» Und Stüdeli ergänzt: «Wir sind froh, wenn wir die Materialkosten rausholen.» Dennoch: Die Brauerei wächst, eines zieht das andere nach sich. Es gibt immer eine grössere Braupfanne, einen grösseren Gärbehälter. Es gibt immer etwas zu tun.

«Wenn man Bier braut, muss man erfinderisch sein», erklärt Stüdeli. Der pensionierte Maschinenmechaniker hat eigens eine Abfüllanlage gebastelt und eine Flaschenhalterung gefräst. Das nächste Projekt hat er bereits ins Auge gefasst: «Ich möchte einen Geschirrspüler umbauen, damit wir darin die Flaschen reinigen können. Bis jetzt waschen wir sie von Hand.»

Nächtlicher Besuch

Doch selbst ohne Bastelei ist das Bierbrauen sehr zeitaufwendig. Für 75 Liter sind etwa 25 Stunden Arbeit nötig, die sich die Beiden untereinander aufteilen. Mit Gärprozess und Lagerung dauert es 42 Tage, bis ein Bier getrunken werden kann.

Ungeniessbar sei ein Bier bei ihnen nie gewesen. «Man konnte unser Bier von Anfang an trinken», versichern sie. Es versteht sich aber von selbst, dass die Beiden unter den Tausenden von Rezepten, die im Internet zu finden sind, einige ausprobiert und am Brauvorgang «geschräubelt» haben, bis der gewünschte Geschmack für ihr «Oberdörfer Chäuerbräu» erreicht war.

Seither kriegen Mario Roos und Adolf Stüdeli häufiger Besuch von Freunden als zuvor. Hin und wieder klopfe mal einer an die Tür, wenn er im Keller von Roos abends noch Licht brennen sehe.

Quelle: solothurnerzeitung.ch

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