Eigenbräu im Freistaat Niederdorf

Ein wenig verrückt muss man schon sein, wenn man einen Freistaat ausruft und darin gleich auch noch eine nigelnagelneue Brauerei aus dem Boden stampft. Josef Brunschwiler heisst der Mann, der diese Verrücktheit im letzten Sommer begangen hat.

Brunschwiler, von allen «Sepp» gerufen, ist ein Unternehmer nach altem Schrot und Korn, ein Macher und Motivator. Und jetzt auch noch ein Eigenbrötler mit Eigenbräu? «Man muss ein wenig spinnen», sagt er und lacht trocken. Schon als junger Mann hegte er seine Bier-Vision. Als Pensionär machte er den Traum wahr, verkaufte sein Blechbearbeitungscenter und liess sein eigenes Bier brauen: «Wegen des Gewinns muss man das nicht machen.» Er macht’s, weil es Spass macht und weil er keiner ist, der ein Leben lang rackert, dann das Erreichte verscherbelt und sich zur Ruhe setzt. Ruhig sitzen – nicht Sepp Brunschwiler.

Schon seit immer

Der uralte Gossauer Freihof im «Niederdorf» erlebte im letzten Jahrzehnt schlimme Zeiten. Pächterwechsel, Konkurs, schliesslich Abbruch. Brunschwiler griff zu, und nun steht an gleicher Stelle eine prächtige Brauerei mit Restaurant und Bar. In der «Bierstube» mit der vielleicht grössten Bar im Fürstenland stehen zwei kupferne Sudbottiche. Durch das Rohrgewirr im Keller fliesst das Freihof-Bier nach angemessener Lagerung direkt in die Zapfhahnen. Drei Biere werden gebraut: ein Lager, ein Weizen und ein Dunkel. Saisonal noch ein viertes, zurzeit das prickelnde Frühlingsbier.

Schäume und Träume

«Ein Bier ohne Schaum ist wie ein schlechter Traum» steht an der Wand. Für seinen guten Traum hat Brunschwiler einiges in die topmoderne Brauerei investiert, aber auch im Konzept von Restaurant und Bar keine Idee ausgelassen. So gibt es im Freistaat eine eigene Währung, den Cervisia-Taler. Gesetze gibt es dagegen fast keine, Steuern auch nicht. Brunschwiler: «Als Freihof bezeichnete Gaststätten gab es schon im Mittelalter.» Er war eine von Abgaben befreite Stätte mit eigener Gerichtsbarkeit. Der Besitzer eines Freihofs erhielt dieses Recht vom Fürstabt zugesprochen, als Auszeichnung für bemerkenswerte Leistungen wie Loyalität, Kriegs- oder sonstige Verdienste. Darum herrscht im Freihof zu Gossau die wahre Freiheit – sein Bier bezahlen muss man trotzdem.

Quelle: toggenburgertagblatt.ch

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar