Ein neuer Stern an Basels Bierhimmel

Sieben Basler Freunde brauen im St. Johann das Bier von Bîrtel, einer Romanfigur, die sich locker bei Tolkiens Hobbits einreihen könnte.

«Bîrtel» ist eine Romanfigur und ideologischer Vortänzer von sieben Basler Braufreunden. Ein lustiger alter Kauz, der seine Zeit biertrinkend, entenfütternd und bohnenzüchtend verbringt. Er lebt in längst vergangenen oder nie dagewesenen Zeiten im Scheunenviertel, einem Ort mystischen Tuns und dunkler Spelunken. Die sieben Freunde, darunter Romanautor Johannes Kaufmann, haben sich zusammengetan, um Bîrtels Bier ins wahre Leben zu rufen. Seit vergangenem Mai wird ausgeschenkt.

Informatiker, Grafiker, Philosophen

600 Liter werden zur Zeit monatlich im St. Johann gebraut, in Wochenendschichten mit viel Handarbeit: vom Abfüllen, Ettiketieren, Verkorken bis zum Ausliefern per Veloanhänger. Die Braufreunde setzen vor allem auf private Abnehmer als Kundschaft. Am Biermarkt vergangenen August konnten sie viele positive Feedbacks ernten. Zwar sei man durchaus interessiert in die Gastronomie einzusteigen, doch sie hätten bereits so alle Hände voll zu tun, um die privaten Kunden zu beliefern, erklärt Gian Luca Hofmann. Schliesslich seien sie Informatiker, Philosophen oder Grafiker und gehen alle einem Beruf nach. Bierbrauen sei ein intensives Hobby, trotzdem halte man bereits Ausschau nach einem grösseren Braustandort.

«Wir machen keine bekannten Biertypen, wie Lager, Pilsner oder Märzen, sondern setzen auf unsere eigenen Rezepturen», sagt Fabio Kuhn. Entsprechend neuartig und interessant schmecken «Odem» und «Brodem» die beiden Biere, welche derzeit regelmässig gebraut werden. Rezepte sind verständlicherweise geheim und doch für jeden einsehbar: «Durch Wälder und über Blumenweiden, Berge und durch Täler wandert Bîrtel frohen Mutes tage- und nächtelang… Was wandern! – Bîrtel? Ha! Hüpfen, johlen, singen und purzeln, um der Welt bloss tanzend zu begegnen – das gehört schon eher zu seinem Vokabular!». Mit solchen Passagen liefern die Basler Brauer zumindest einen Einblick in ihre Inspiration und ein integrales Biererlebnis für jeden Geniesser.

Poetisches Versprechen

Bîrtels Hauptbier, das helle, untergärige Odem wird denn auch im gleichen Stil angepriesen: «In tiefem Orange funkelt es in der Sonne, rot färbt es die Backen und breit zieht es das Grinsen jedes Publikums». Baz.ch hat das Bier gekostet. Es zeichnet sich durch Eigenständigkeit aus, die aber keineswegs gesucht ist. Im Gegenteil, direkt naheliegend scheint der Geschmack und es drängt sich die Frage auf, welch wundersames Braugeheimnis sich den sieben Baslern offenbarte und all den Biermultis verborgen blieb? Unsere Kehlen und Bîrtels Bier sind sich noch fremd und doch scheinen sie sich schon seit Ewigkeiten zu kennen. Ein Missing-Link in der Biergeschichte und ein Messias in der Biergegenwart?

Per Dezember kündigen die sieben Brauer ein drittes Mitglied in Bîrtels junger Bierfamilie an. Wir sind gespannt.

Quelle: bazonline.ch