Grillfleisch top, Bier flop

Die Gluthitze der letzten zwei Monate hat die Schweizer in Scharen um die Grills getrieben. Die Fleischverkäufe dieses Frühlings dürften in die Geschichte eingehen.

Auch wenn der erste meteorologische Sommertag seinem Namen nicht gerecht wurde: Der astronomische Frühling ist wettermässig ein echter Knaller. Entsprechend reiben sich die Anbieter von Grillfleisch die Hände.

Die Nummer drei der Fleischverarbeiter der Schweiz, der Ernst Sutter AG, hat im April doppelt so viel verkauft wie in einem gewöhnlichen April. «Und auch der Mai lief sehr sehr gut», frohlockt Sprecher Daniel Härter.

Auch bei der Nummer zwei, der Migros, freut man sich. «Die Maiverkäufe waren vor allem mit den letzten beiden Wochenenden sehr stark», so Sprecherin Olivia Luginbühl. Im Fisch- wie auch im Fleischbereich spricht sie deshalb von einem Umsatzplus von mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Grillieren als Ersatzreligion

Auch bei Coop und dessen Hauptlieferenten Bell hat das sommerliche Wetter Spuren hinterlassen. Die Kategorie Grillieren sei regelrecht explodiert, so Sprecherin Denise Stadler: «Wir verkaufen 30 Prozent mehr gegenüber dem ebenfalls starken Vorjahr.» Auch Branchenprimus Bell zeigt sich «sehr zufrieden».

Das Geschäft lief bei Coop so gut, dass der Detailhändler in Sachen Grillieren sogar «philosophisch» wird. Grillieren sei nicht mehr nur Mittel zum Zweck; «Grillieren wird zum Happening, welches den Ausgleich zum hektischen Alltag kompensiert», so die Sprecherin.

Doch nicht nur die zwei grössten Schweizer Detailhändler und deren Zulieferer freuen sich über das tolle Frühlingswetter. Auch die Discounter jubilieren: Der Verkauf von Fleisch und Grillwaren ist in den letzten Wochen spürbar angestiegen, so Aldi-Sprecher Sven Bradke. Auch bei Lidl sei die Grillsaison «rekordverdächtig», bestätigt Sprecherin Paloma Martino.

Gerstensaft: Kein Rekord-Frühling

So sicher wie das Amen in der Kirche ist bei vielen Grillfesten neben dem Fleisch- auch der Bierkonsum. Von der Lust an der Glut profitieren deshalb auch die Gerstensaft-Brauer: Der Bierabsatz von Feldschlösschen lag sowohl im April wie auch im Mai 2011 um rund 15 Prozent über den Vorjahresmonaten.

Von einem Rekord-Frühling spricht Markus Werner trotzdem nicht. An den Frühling 2008, als die Produktion für die Fussball-EM in der Schweiz auf Hochtouren lief, kommt er nicht heran, so der Feldschlösschen-Sprecher.

Die Sommermonate hätten zudem traditionell eine grössere Bedeutung für die Jahresbilanz als der Frühling. Sollte nun also ein verregneter Sommer auf den sonnigen Frühling folgen, so wäre der Effekt des schönen Frühlings schnell wieder «aufgebraucht».

Dem pflichtet Carmen Wyss von Heineken Switzerland bei: «Die kommenden Sommermonate werden entscheidend sein.» Der Jahresstart verlief für Heineken hierzulande harzig. Gründe dafür seien das seit Mai 2010 geltende Rauchverbot und der tiefe Eurokurs. Weniger Touristen aus dem Euroland und ein moderateres Konsumverhalten seien die Folge.

Kleine Brauer brillieren

Kleinere Brauerein jedoch können der bisherigen Grillsaison viel Gutes abgewinnen. Im April hat die Brauerei Luzern AG beispielsweise mehr umgesetzt als im Februar und März zusammen, so Geschäftsführer David Schurtenberger.

Und auch die Ueli Bier-Brauer aus Kleinbasel freuen sich: «Wir verzeichnen einen sensationellen Mai-Absatz», so A. Treml Nidecker. Man habe so viel wie noch nie zuvor im Mai gebraut; im Vergleich zum Vorjahr sei im Mai ein Drittel mehr Ueli Bier verkauft worden.

Quelle: 20min.ch

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