Hopfen, Malz und neue Tanks

Die Brauerei Schützengarten hat im vergangenen Braujahr weniger Bier abgesetzt. Schuld ist die Entwicklung im Gastgewerbe. Trotzdem stellte die Brauerei einen Umsatzrekord auf – nicht zuletzt wegen ihrer Bierspezialitäten.

Im neuen Gär- und Lagerkeller ragen ihre unteren Enden aus der Decke. 3,5 Meter breit sind sie und 11,5 Meter hoch. 900 Hektoliter Bier können in diesen Tanks gären und lagern. Noch ist der Raum eine Baustelle: Rohre, Ventile und die Steuerung müssen noch eingebaut werden, im März kann die Brauerei Schützengarten den neuen Keller nutzen. «Mit dieser Investition können wir auch die letzten liegenden Tanks ausser Betrieb nehmen», sagt Christoph Kurer, Verwaltungsratspräsident und Vorsitzender der Geschäftsleitung der Brauerei. Mit 3,5 Millionen Franken ist das die wichtigste Investition dieses Jahres. Weiter wurde der Leerflascheninspektor und die Etikettiermaschine ersetzt. Die neuen Tanks sind aber nicht nur besser zu kühlen und zu reinigen, die Brauerei gewinnt dadurch auch an Kapazität.

Etwas weniger Bier produziert

Dabei hat die Brauerei Schützengarten im vergangenen Braujahr, von Oktober 2010 bis September 2011 also, erstmals seit längerem weniger Bier gebraut als im Vorjahr: 170 100 Hektoliter Bier aus Eigenproduktion wurde abgesetzt, 6000 Hektoliter weniger als 2009/10, wie Finanzdirektor Josef Zweifel an einer Medienkonferenz sagte. Das sei vorwiegend deshalb der Fall, weil die Brauerei eine Eigenmarke eines Detailhändlers nicht mehr produziert.

Doch auch von den Marken der Brauerei, Schützengarten und Löwengarten, wurde etwas weniger abgesetzt: 162 700 Hektoliter, 0,6 Prozent weniger als im Vorjahr, während die Brauerei beim Getränkehandel leicht zulegte. «Wir konnten uns der Entwicklung im Gastgewerbe nicht ganz entziehen», sagte Zweifel. Die Kunden würden ihr Bier vermehrt zu Hause trinken. Mehr Bier verkaufte die Brauerei deshalb im Detailhandel. Im nächsten Jahr, so hofft Christoph Kurer, werde der Zuwachs im Detailhandel gross genug sein, dass er die Rückgänge im Gastgewerbe zu übertreffen vermag.

Nicht zuletzt deshalb gibt es nun auch das Festbier, das die Brauerei jeweils vor Ostern und Weihnachten braut, in Einwegflaschen im Achterpack zu kaufen. Bereits 22 Prozent des Biers setzt die Brauerei heute in Einwegflaschen ab, während es vor zehn Jahren noch acht Prozent waren. «Vom ökologischen Standpunkt her ist das keine gute Entwicklung», sagte Christoph Kurer. Den Detailhändlern geben aber die Mehrwegflaschen zu viel zu tun. «Auch wir können uns nicht gegen diesen Trend sträuben.»

Umsatz leicht gestiegen

Dass die Brauerei mit dem Festbier in den Detailhandel drängt, entspricht einer Strategie, die sich auszahlt: Trotz des sinkenden Bierabsatzes hat Schützengarten gleich viel Umsatz erzielt wie im Vorjahr, 48,3 Millionen Franken. Zusammen mit dem Umsatz des Getränkehandels wurde der gesamte Getränkeumsatz um 0,5 Prozent auf einen neuen Rekordwert von 76,3 Millionen Franken gesteigert. Denn an Spezialitäten wie dem Klosterbräu oder dem neuen Gallus-Bier kann die Brauerei mehr verdienen. Nicht nur deshalb ist der Anteil an Spezialbieren bei Schützengarten rund doppelt so hoch wie bei anderen Schweizer Grossbrauereien. «Es ist auch für unser Image wichtig, uns als Brauerei zu positionieren, die verschiedene Biere anbietet», sagte Kurer.

Für Christoph Kurer läuft nun sein letztes Braujahr als Vorsitzender der Geschäftsleitung. Ab dem 1. Oktober 2012 wird er nur noch Verwaltungsratspräsident der Brauerei Schützengarten sein. Die operative Führung wird dann von Reto Preisig übernommen. Der 49-Jährige verfüge über fundierte Erfahrungen im Lebensmittelbereich und habe auch schon in der Bierbranche gearbeitet. Im nächsten Frühjahr werde er bei der Brauerei anfangen.

Quelle: tagblatt.ch

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