Kleine Brauerei kämpft gegen grosse Konkurrenz

Quelle: zol.ch | sudwerk.ch

Keine 3-Deziliter-Flaschen, keine Multipacks, keine Aluminiumdosen. Die Kleinbrauerei Sudwerk will eine neue, bessere Bierkultur in der Schweiz fördern.

Von Robin Bisping

Die Bierbraukunst: eine gemächliche und liebevolle Arbeit – eine Kunst eben. In einem Steinkeller rührt ein bärtiger Brauer mit einer hölzernen Kelle das Malz um. Langsam gibt er den Hopfen hinzu und probiert seinen Sud. Eine schöne Vorstellung. Die Realität sieht jedoch anders aus. «Wir putzen viel», sagt Martin Halter, Geschäftsführer des Sudwerks. Nach jedem Braudurchgang müssten sie die Kessel von Hand reinigen, das gehöre dazu – wie beim Kochen auch. Ob ein Bier gelingt oder nicht, sei dann aber von der Auswahl der Zutaten und der Auslegung des Brauvorgangs abhängig.

Harter Rückschlag

Obwohl es die Pfäffiker Brauerei erst seit fünf Jahren gibt, hat sie sich bereits einen Namen gemacht. Diesen verdankt sie auch dem Detailhändler Coop, der zwei Biere in sein Sortiment aufnahm. Ende März reduzierte der Partner aber unerwartet die Zusammenarbeit: von 220 Su­permärkten auf 40. «Aufgrund der geringeren Nachfrage haben wir die Distribution den Marktverhältnissen angepasst», teilt Coop mit. Für die Pfäffiker Brauerei war dies ein harter Rückschlag, schliesslich war der Detailhändler ihr Hauptabnehmer. Er sei für einen Drittel des Umsatzes verantwortlich gewesen, sagt Halter, jedoch zu einer absolut minimalen Marge. «Jeder in der Branche weiss, dass die Zusammenarbeit mit einem Grosshändler riskant ist. Er kann ein Produkt jederzeit fallen lassen.»

Vielversprechende Zukunft

Für Halter gilt die Begründung des Grossverteilers nicht. Er sieht andere Gründe hinter dem Entscheid: Coop passe schlicht das Konzept seiner Kleinbrauerei nicht. «Wir wollen unser Bier nicht in Multipacks, nicht in 3-Deziliter-Flaschen und auch nicht in Aluminiumdosen verkaufen.» Das sei ihnen wichtig, für einen Detailhändler aber wenig lukrativ. «Unser Bier soll man nicht trinken, sondern geniessen», so Halter.

Die reduzierte Zusammenarbeit mit Coop ist laut Halter auch eine Chance: «Gewisse Gastronomiebetriebe oder Spezialitätenläden arbeiten nur mit Marken zusammen, die in Grossverteilern wenig präsent sind.» Er wolle nun versuchen, ihre Nische zu erweitern. Ausserdem seien im jetzt entstandenen Ersatzgeschäft attraktivere Preise für sie wieder möglich. Sie seien auf gutem Weg: «Die Nachfrage ist steigend.»

Spezialbier für Forellenfest

Gegründet wurde die Pfäffiker Brauerei von einem Amerikaner, der den Schweizer Biermarkt aufmischen wollte. Dieser kehrte allerdings 2013 in sein Heimatland zurück und übergab den Betrieb an Halter, einem ehemaligen Versicherer. «Ich hatte genug von meinem alten Beruf und wollte im Leben noch anderes ausprobieren», sagt dieser. Neu war ihm der Betrieb aber nicht: Er leitete bereits zuvor den Verkauf und die Veranstaltungen der Kleinbrauerei.

Für das 45. Forellenfest, das am nächsten Samstag in Pfäffikon stattfindet, produziert das Sudwerk ein Spezialbier. «Wir wollen etwas Neues ausprobieren», bestätigt Beat Strahm, der den Anlass organisiert. Eine solche Änderung würde jeweils für grosse Diskussionen innerhalb des Vorstands sorgen. «Früher konnte sich niemand vorstellen, dass zu Forellen etwas anderes als Weisswein getrunken wird.» Das Spezialbier passe laut Halter gut zu Fisch. Es sei allerdings kein neues Getränk, sie würden schlicht die Etikette eines bestehenden Bieres auswechseln.