Mit dem Brüll-Bier gegen den Einheitsgeschmack

Andreas Brüllmann produziert in Tagelswangen seinen eigenen Gerstensaft. Für das leicht süssliche Bier hofft er noch auf einen Grossabnehmer.

Ein goldener Löwe ziert das Etikett, umrahmt vom Schriftzug «Brüll Bier». Seit dem vergangenen Oktober braut Andreas Brüllmann seinen Gerstensaft in Tagelswangen. 450 Liter Lager-, Weizen- und saisonale Biere produziert der Bassersdorfer mittlerweile auf seiner eigenen Brauanlage und vertreibt dieses hauptsächlich über das Internet. «Ich hatte die Schweizer Biere einfach satt. Die schmecken alle gleich», sagt der 42-jährige gelernte Automatiker.

Seine Faszination fürs Bierbrauen hat Brüllman auf einer Geschäftsreise nach Polen entdeckt. «Mitten in einem Restaurant stand diese wunderschöne kupferne Brauanlage», erzählt er voller Elan – so etwas wollte er auch haben.

Autodidakt mit Schnellbleiche

Begonnen hat das Bierbrau-Abenteuer aber zuerst ganz bescheiden: Autodidaktisch und mit einer Schnellbleiche im Bierbrauen fing Brüllmann 2009 zu Hause auf einer kleinen Eigenkonstruktion mit der Herstellung seines «Hopfentees» an. «Es funktionierte super; meine Freunde und Kollegen waren begeistert – das Brüll-Bier ging weg wie nichts.»

Also musste etwas Grösseres her. Nach längerer Suche wurde der Hobby-brauer im Industriegebiet von Tagelswangen fündig. Als Automatiker mit eigener Firma war es ihm ein Leichtes, eine geeignete Bierbrauanlage zu installieren. Mittlerweile hat er bereits seinen sechsten Sud auf der neuen Anlage gebraut – und denkt über nächste Erweiterungen nach.

Wie überall in der Schweiz wird auch im Zürcher Oberland immer mehr regionales Bier gebraut. Das kann durchaus sinnvoll sein, denn Bier besteht zu über 90 Prozent aus Wasser – und Wasser in der Gegend herumzukarren, ist ein ökologischer Unsinn.

Unternehmerisches Denken nötig

Neue Kleinbrauereien beleben die Bierszene, sind gut für die Vielfalt und für das Produkt an sich, sind sich auch die grossen Produzenten einig. Doch: «Nur Bierkultur und Liebhaberei reicht nicht», sagt Adrien Weber, Geschäftsführer und Initiant der Turbinenbräu AG in Zürich. «Es braucht auch unternehmerisches Denken, um damit Geld zu verdienen – sonst bleibt es bei der Folklore.» Um die hohen Investitionskosten zu amortisieren, müsse man über einige Gastrobetriebe und auch über die Grossverteiler Bier absetzen können.

Davon ist Brüllmann noch weit entfernt. «Natürlich hoffe ich, dass sich auch Beizer für mein Bier interessieren werden.» Doch er wolle das Ganze langsam angehen und die Kosten im Auge behalten.

Dank seiner Auslanderfahrungen – Brüllmann hat vier Jahre in Belgien und sieben Jahre in England gelebt – weiss er, was Bierkultur bedeuten kann. Keine «Mainstream»-Biere wolle er brauen, sondern naturtrübe und spezielle. «Weil ich nicht trocken braue, haben meine Biere eine Restsüsse, die auch Frauen mögen», sagt der Jungunternehmer. Vertreiben will er seine Biere künftig auch über einen Rampenverkauf sowie über D-Vino in Zürich. Und vielleicht hätte ja sogar der Eishockeyclub ZSC Lions Interesse an seinem «brüllenden Löwen». «Bier brauen ist ein Virus», meint er augenzwingkernd.

Quelle: tagesanzeiger.ch

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