Sportvereine halten nichts von einem Verbot von Alkoholwerbung

Sportvereine aus der Region stehen der Idee, Bierwerbung auf dem Spielfeld zu verbieten, kritisch gegenüber. Das bringe nichts, meinen sie und appellieren an die Eigenverantwortung im Umgang mit Alkohol.

Dem Blauen Kreuz ist die Alkoholwerbung im Sport suspekt. Mit einer Initiative fordert die Präventionsorganisation ein generelles Verbot von Alkoholwerbung an Sportanlässen. Im Kanton Zürich ist nur Trikot und Bandenwerbung für Alkohol erlaubt, Stadionwerbung ist heute schon verboten.

Enrico Zoppelli von der Suchtpräventionsstelle Samowar in Meilen ist für ein generelles Verbot von Alkoholwerbung im Sport. «Sport ist eine gesunde Angelegenheit. Es macht wenig Sinn, dass Sportvereine für Alkohol werben», sagt er. Vor allem Jugendliche seien durch Werbung manipulierbar. «Sportgrössen sind Vorbilder und haben einen Einfluss auf die Jugendlichen», sagt der Suchtberater. Wenn sie für Bier Werbung machten, sei das nicht gerade förderlich, um die Jugendlichen vom Alkoholkonsum fernzuhalten. Zoppelli betont allerdings, dass nicht die Sportler selber, sondern die Klubverantwortlichen dafür verantwortlich seien.

«Freier Markt soll spielen»

Die Sportvereine am rechten Zürichseeufer begrüssen ein solches Verbot nicht. Heinz Gross, Präsident des FC Küsnacht, findet etwa, man könne nicht immer alles verbieten. Der FCK hat mit einer lokalen Weinhandlung einen Sponsor aus der Alkoholbranche. Auch der Präsident des FC Herrliberg ist kein Fan der Idee des Blauen Kreuzes. «Der Spitzensport wäre ohne Alkoholwerbung nicht mehr finanzierbar», sagt Lars Haussmann. Für ihn ist aber klar, dass niemals eine Herrliberger Juniorenmannschaft mit einer Bierwerbung auf den Trikots auflaufen wird. «Das wäre moralisch nicht vertretbar.» Für wirtschaftlich nicht vertretbar hält die Initiative Simon Schenk, Sportchef des Eishockeyclubs GCK Lions, der seine Spiele in Küsnacht austrägt. «Ohne diese Gelder wäre der Sport undenkbar.» Der freie Markt solle spielen, sagt Schenk.

Lokales Sponsoring

Anderer Meinung ist Daniel Bacher, Präsident des Handballclubs GelbSchwarz Stäfa: «Eigentlich haben Alkohol und Tabakwerbung im Sport nichts verloren.» Gelb-Schwarz Stäfa, das mit den Lakers Stäfa eine NLA-Mannschaft stellt, würde laut Bacher nicht einmal mit der regionalen Brauerei Goldküstenbräu einen Sponsoringvertrag unterzeichnen.

Die Bierbrauerei Feldschlösschen kann nicht beziffern, welchen direkten Einfluss das Sportsponsoring hat. Es gehe nicht hauptsächlich darum, den Gesamtkonsum zu steigern, sagt Mediensprecher Markus Werner. Der Bierkonsum hänge im Wesentlichen vom Geschmack, der Qualität und auch vom Wetter ab. Feldschlösschen zählt in der Schweiz zu den grössten Sportsponsoren aus dem Alkoholgewerbe. Die Brauerei aus Rheinfelden unterstützt die Eishockeyclubs Davos, Genf-Servette, Lugano, Bern, SCL Tigers und auch den Spengler-Cup in Davos. Feldschlösschen setzt sich zudem für zahlreiche lokale oder regionale Vereine ein. «Gerade solche Vereine wären von einem Verbot von Alkoholwerbung im Sport stark betroffen», sagt Markus Werner.

«Abstinenz nicht aufzwingen»

Politiker sind geteilter Meinung. Der Zolliker SVP-Kantonsrat Claudio Zanetti bezeichnet die Initiative als «absoluten Quatsch». Im Umgang mit Alkohol sei Eigenverantwortung gefragt. «Man kann den Leuten die Abstinenz nicht aufzwingen», sagt Zanetti.

CVP-Kantonsrat und Gesundheitspolitiker Lorenz Schmid setzt hinter die Effizienz eines solchen Verbots ein grosses Fragezeichen. Der Männedörfler findet, man könne alles verbieten, die wichtige Frage sei aber, welches Verbot wirklich etwas bringe.

SP-Kantonsrätin Ursina Egli hält die Initiative des Blauen Kreuzes für «grundsätzlich unterstützenswert». Die Stäfnerin wünscht sich allerdings, dass dieses Thema in der ganzen Schweiz diskutiert würde. Zurzeit beschäftigt sich der Nationalrat mit einer Revision des Alkoholgesetzes. Davon erhofft sich Egli viel. «Man darf den Konsum von Bier und Wein nicht verharmlosen», sagt sie. Nicht nur der Konsum von «härteren» alkoholischen Getränken sei gefährlich. Man müsse deshalb auch bei der Bierwerbung ansetzen gerade im Sport.

Quelle: zsz.ch

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