Stadtguet | Winterthur

Hopfen, Malz und Herzblut.

Ja, auch aus Zwetschgenkonfitüre lässt sich Bier herstellen. Beat Spälti muss es wissen, er hat es selber ausprobiert. Der 49-jährige Wirtschaftsinformatiker verzieht ein bisschen das Gesicht bei der Erinnerung daran. Heute experimentiert der Inhaber und Geschäftsführer der Brauerei Stadtguet denn auch lieber, und erfolgreicher, mit Orangenzesten und Marronigranulat und braut sein Bier nicht mehr in der Küche, sondern auf 200 Quadratmetern im Winterthurer Industriegebiet Grüze.

Meilenstein Grossverteiler

Über dem Läuterbottich hängt ein Schild mit der Aufschrift «Töss», über dem Sudhaus steht «Altstadt». Stadtguet hat sich im ehemaligen Unterwerk der städtischen Werke einquartiert, von wo aus früher der Strom in die Quartiere verteilt wurde. Ausgelöst hat die Gründung der Winterthurer Brauerei der Wegzug einer andern: 2001 zog Haldengut nach Chur; die Traditionsbrauerei gehört bereits seit 1993 dem holländischen Brauereikonzern Heineken, der heute mit Carlsberg aus Dänemark den grössten Teil des Schweizer Biermarktes beherrscht. Mit einem Aktienkapital von 140 000 Franken nahm Spälti 2005 den Betrieb auf. 30 Hektoliter und einen Umsatz von 12 000 Franken verzeichnete er im ersten Jahr, 2008 waren es gegen 500 Hektoliter und ein Umsatz von 180 000 Franken.

Die Hälfte des Biers wird laut Spälti, der zwei Drittel der Stimmrechtsaktien hält, in gut 40 Restaurants in Winterthur und Umgebung oder in Zürich ausgeschenkt. Der Kampf um einen Platz im Bierregal oder gar im Offenausschank ist hart. «Wir können dem Wirt zwar den Ausschank inklusive Zapfanlage bieten», sagt Spälti. Die bei Grossbrauereien übliche Kreditvergabe oder Einrichtung ganzer Gartenbeizen von der Bestuhlung bis hin zum Sonnenschirm ist für Stadtguet aber nicht möglich. Etwa einen Fünftel ihres Biers verkaufen Spälti und seine beiden Mitarbeiter – vor einem Jahr wurde ein Brauer angestellt – über die Rampe, ein weiteres Drittel ist im Detailhandel zu finden. Dort hat Spälti auch seinen neusten Coup gelandet, auf den er sichtlich stolz ist: Seit Mitte August haben verschiedene Coop-Filialen in der Region Stadtguet in ihrem Sortiment. Auch Aldi und Lidl hätten Interesse am Winterthurer Bier bekundet, erzählt Spälti. Die Discounter würden jedoch hinsichtlich ihres Preissegments nicht passen – Stadtguet ist teurer als handelsübliches Bier.

Hoffnung auf Winterthur

In Zukunft hofft Spälti auf eine verstärkte Zusammenarbeit mit verschiedenen Getränkelieferanten, aber auch mit Winterthur: Die zwölf städtischen Gastronomiebetriebe sind vertraglich noch bis 2012 an Heineken gebunden, danach wird ein neuer Rahmenvertrag über den Bierausschank abgeschlossen. Die Stadt Zürich hat letzten Herbst für ihre rund 50 Betriebe den Vertrag mit der Feldschlösschen AG, die seit dem Jahr 2000 zu Carlsberg gehört, um weitere 5 Jahre verlängert. Neu dürfen seither grosse und mittlere Betriebe aber bis zu einem Drittel Fremdbier ausschenken, für kleine Gaststätten gibt es diesbezüglich überhaupt keine Einschränkung mehr. Bis im vergangenen Jahr musste der Wirt beim Ausschank von Bier, das nicht vom vertraglich zugewiesenen Lieferanten kam, jeweils einen Strafzoll bezahlen.

Die Bierproduktion für die Stadt Winterthur schätzt Spälti auf jährlich mehrere hundert Hektoliter. Erhält er dereinst den Auftrag, wäre ein weiterer Meilenstein gesetzt – die 1000-Hektoliter-Marke. Daneben wünscht sich Spälti aber auch, irgendwann alle Abfüllungen selbst vornehmen zu können und nicht nur die der Container und der 2- beziehungsweise 1-Liter-Flaschen. Unter einer halben Million Franken ist eine automatische Abfüllanlage jedoch nicht zu haben, wie Spälti sagt. Bis auf weiteres lässt Stadtguet deshalb ihr Bier bei der Brauerei Rosengarten in Einsiedeln abfüllen.

Quelle: nzz.ch  |  stadtguet.ch

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