Top-Bier von hier

Schweizer lieben den Gerstensaft – und das nicht nur am 1. August. Hierzulande schäumt die Vielfalt an Marken und Sorten.

Mehr als 60 Liter! So viel Bier trinkt ein über 16-jähriger Schweizer durchschnittlich pro Jahr. Im ganzen Land sind das total fast 1,4 Mrd. Stangen. Umgeleert in SBB-Tankwagen füllen sie einen Güterzug von Zürich bis nach Bern.

Nicht nur die Menge ist imposant. Auch die Vielfalt beeindruckt. Die Schweiz hat die weltweit höchste Brauereidichte. Das war nicht immer so. Vor zwanzig Jahren existierten nur noch dreissig Brau­betriebe. Konsumenten befürchteten das Schlimmste: Bald gibts nur noch Heineken, Carlsberg & Co.! Das Gegenteil ist eingetroffen. Über 400 Brauereien sind heute bei der Zollverwaltung registriert.

Bier bedeutet Heimat, Identität, Tradition. Das mussten etwa die Verantwortlichen von Eichhof, der grössten Zentralschweizer Brauerei, erfahren. Die Volksseele am Vierwaldstättersee schäumte: Eichhof war vom holländischen Biergiganten Heineken übernommen worden. 15 000 Personen unterzeichneten eine Protestnote. Unmut äusserte sich auch in Basel (Warteck), im Aargau (Feldschlösschen), in Bern (Gurten), Fribourg (Cardinal) und Zürich (Hürlimann). Überall im Land verschwanden traditionsreiche Brauereien. Oder sie wurden von ausländischen Bierkonzernen geschluckt.

Doch der «Ausverkauf der Heimat» markierte gleichzeitig den Beginn einer neuen Ära. Wie in Engelberg OW. Hier sorgte ein kleiner Verein von Bierfreunden auch international für Schlagzeilen: Mit dem Protestbier Keineken brachten sie den Brauriesen zum Kochen. Heineken ging juristisch gegen die Rebellen vor, das Gebräu wurde beschlagnahmt. Das war 2009. Inzwischen sind die Engelberger wieder brave Klosterschüler: Ihr Bier heisst Engelberger Klosterbräu.

Wenige Brauereien produzieren von Anfang an Spitzenbiere
Auch die Luzerner wurden innovativ. Junge Unternehmer lancierten das Luzerner Bier. Es ist in den Bars und Beizen der Leuchtenstadt bereits ein Renner. Inzwischen gibt es allein im Kanton Luzern wieder über 20 Brauereien – vom Riesen Eichhof in Luzern bis zum Einmannbetrieb in Luthern (BertBier). Die Markenvielfalt wächst und wächst – überall in der Schweiz.

Wie gut sind die neuen Biere? Der Bieler Informatiker Philippe Corbat muss es wissen. Er ist leidenschaftlicher Biersammler. Über 9000 Biere hat er schon getestet, unter dem Kürzel «bov» publiziert er sein Urteil auch im Internet. «Es gibt wenige Brauereien, die von Beginn weg Spitzenbiere produzieren», verrät Corbat im Fachmagazin «Biergenuss». «Die meisten wollen zu schnell zu viel.» Trotzdem freut er sich: «Die Brauer werden immer kreativer und produzieren nicht mehr nur Lagerbier.» Corbat hat lieber «ein charaktervolles Bier mit ein paar Fehlern als ein fehlerloses, flaches, geschmackloses Bier».

Auch der «Kassensturz» hat regionale Schweizer Biere getestet. Alle schnitten geschmacklich gut ab – am besten das Bio-Bier von Wädi-Bräu aus Wädenswil ZH. Es war allerdings auch das teuerste im Test. Kleinbrauereien produzieren mit viel Handarbeit oft nur kleine Mengen. Herausragende Biere sind entsprechend begehrt – und haben ihren Preis.

Kleine Bierkunde
bierig.ch | bier.ch

Wandertipps für Bierfreunde
bierwandern.ch

Biertests
bov.ch | srf.ch/konsum/tests

Natur pur

Bier ist ein Naturprodukt – am besten lagern Sie es im Keller oder im Kühlschrank bei vier bis sieben Grad. Und: Je älter ein Bier, umso mehr verliert es seinen Geschmack. Die optimale Trinktemperatur liegt bei acht bis zehn Grad.

Apropos Geschmack: In der Schweiz gibts nicht nur einen Rösti-, sondern auch einen Biergraben. Deutschschweizer Brauer orientieren sich traditionell an der deutschen Braukunst, während die Romands an belgischen oder englischen Bierstilen Gefallen finden. Im Trend liegen würzige Biere (Ale, IPA, Stout).

Quelle: blick.ch