Warum nicht selber Bier brauen lernen?

«Hopfentropfen» heisst der Hof im Zürcher Weinland. Und er liegt im malerischen Dorf Unterstammheim. Hier zelebriert Markus Reutimann mit seinen Gästen die Kunst des Bierbrauens. Allein schon seine Geschichten lohnen den Besuch in einer der kleinsten Brauerei der Schweiz.

Gross und glänzend steht er da, der Braukessel in der Brauerei Hopfentropfen im zürcherischen Unterstammheim. Besitzer einer der kleinsten angemeldeten Brauerei der Schweiz ist Markus Reutimann. Bei ihm absolviere ich zusammen mit einer Gruppe von SBB-Stellwerkspezialisten auf Betriebsausflug eine sechsstündige «Schnupperlehre». «Brauen war früher Frauensache, die Männer sind seit je für den Verzehr zuständig», erklärt uns der Meister augenzwinkernd.

Bald zeigt es sich, dass Reutimann nicht nur Brauer, sondern auch ein begnadeter Conférencier ist. Zwischen Wissenswertem rund um die Braukunst erzählt er von russischen Gästen, die in anderthalb Stunden 3,2 Liter Bier kippten, und von der rüstigen Oma, die jeweils auf ihrer Vespa seinen Hopfenlikör als Einschlafhilfe holt. Wir lernen den Unterschied zwischen Wiener und Münchner Malz kennen und riechen an Hopfenpellets, die aussehen wie Hasenfutter. Und wer will, probiert eine Prise Hopfenschnupftabak.

Aber dann heissts anpacken. Wir schroten knapp zehn Kilo Gerstenmalz und machen uns ans Einmaischen. Danach rühren wir das Schrot in gut 40 Grad warmes Wasser ein. Schritt für Schritt wird die Temperatur im Kessel erhöht, damit sich die Stärke in Zucker verwandelt. «Ein ziemlicher Aufwand, wenn man bedenkt, wie schnell das Bier getrunken ist», meint einer trocken. Während des Braukurses geniessen wir Bier aus dem Zapfhahn. Da kann es rasch vorkommen, dass vielleicht mehr getrunken als gebraut wird.

Ein persönliches Bier

Zur Auskühlung nimmt uns Markus Reutimann mit auf den Hopfenlehrpfad. Wir erfahren, dass schon Reutimanns Grossvater 1935 mit dem Hopfenanbau in dieser Gegend begonnen hat. In der weiten Ebene des Stammertales gedieh der Hopfen prächtig. Inzwischen gehört Unterstammheim zu den grössten Hopfenanbaugebieten der Schweiz, und die markanten Hopfenstangen prägen die Zürcher Unterländer-Gemeinde mit ihren typischen Fachwerkhäusern.

Jetzt aber geht es wieder an die Arbeit. Der Sud im Kessel kommt in den Läuterbottich und fliesst von dort gefiltert in den Topf zurück. Erstmals zeigt sich seine Farbe: ein tiefes Bernsteinbraun. Die 55 Liter Würze müssen nun langsam auf 50 einköcheln. Zeit genug fürs Mittagessen und um weitere Hopfen- und Malzprodukte aus der Erfinderwerkstatt Reutimann zu degustieren. Am Ende der Kochzeit rühren wir den Hopfen in unser Gebräu, der ihm die typische Bitterkeit gibt. Unser Bier gleicht aber immer noch einer Bouillon mit Ei. «Nun den Kessel nicht mehr berühren», mahnt Reutimann. Das Eiweiss wird elegant durch den Abflusshahn abgezogen, und unser Hopfentrunk ist im Handumdrehen klar und rein.

Wer will, kann feine Etiketten gestalten und sein persönliches Bier einige Wochen später abholen. Denn was auf dem Hof gebraut wird, steht selbstverständlich denen zu, die mitgetrunken, pardon: mitgearbeitet haben.

Infos

Unterstammheim ZH

  • Anreise: SBB nach Stammheim. Ab Bahnhof 900 m ausgeschilderter Feldweg. Für Autofahrer Anfahrtsplan auf der Website.Schaubrauen auf dem Hof: Mit aktiver Mitarbeit, Hopfenlehrpfad, Degustation, Bierhumpen-Curling, inkl. Bier, Süssmost & Treberbrötli. Dauer 5 bis 6 h.
  • Kosten: 45 Fr. pro Person, bis 10 Personen: 450 Fr./Gruppe. Für Einzelpersonen oft Gruppenanschluss möglich. Bier nach 6 Wochen zum Spezialpreisabholbar. Weitere Gruppenangebote wie «Hopfen als Heilpflanze» oder «Bier-Olympiade». Von April bis Oktober Hopfenweg gratis begehbar. Hofbeiz und Hofladen mit vielen Hopfenspezialitäten. Essen auf Voranmeldung für Gruppen, Getränke jederzeit ausser Montag.

Quelle: schweizerfamilie.chhopfentropfen.ch

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