Was lange gärt, wird endlich gut

77 Idealisten gründen in der «Sonne» in Steckborn den Verein «Interessengemeinschaft Brauerei Steckborn». Mit Applaus wählen sie Roger Pernet zum Präsidenten. Der Verein will eine alte Tradition aufblühen lassen.

Die Idee des Bierbrauens in Steckborn ist schon längere Zeit am Gären. Die Vorbereitungsgruppe mit Sally Schumacher, Jan Martin, Manuel Hanimann, Markus Weigele, Martin Weigele und Roger Pernet hat sorgfältigste Vorarbeit geleistet. Der Ansturm von Bierfans an der Gründung am vergangenen Donnerstagabend wirkt geradezu bahnbrechend. Auch Stadtammann Roger Forrer und die Stadträte Jörg Ferkel und Gregor Rominger, der Arzt Martin Haas und viele andere gehören zu den 77 Gründungsmitgliedern.

Lange Tradition im Städtli

Roger Pernet blendete in die Steckborner Brauerei-Geschichte zurück, liess Namen, alte Fotos und Daten mit Power-Point aufleuchten, auch solche aus dem Verzeichnis der Brauereien: 1875: Emil Rietmann, Brauerei; 1903: Seb. Herzog, Brauerei zum Weingarten, 1875: Albert Schönenberger, Brauerei zur Sonne, 1891: Stähle-Christen, Brauerei zur Sonne. 1895: Boser, Brauerei zur Sonne, 1916: Georg Fauser, Brauerei zur Sonne.

Im Jahr 2007 wurde «Ais… Amberbier» zum 60-Jahr-Jubiläum der Firma Pernet Ofenbau, Plattenbeläge gebraut. Roger Pernet hat auch Inserate aufgespürt, so eines vom Hotel Löwen, das mit Dampfschiff-Lände und Gartenwirtschaft warb. «Wir wollen kein Saufklub sein. Bei uns geht es um mehr. Wir wollen die Braukultur wieder aufleben lassen», betonte Roger Pernet mit feinsinniger Proportionierung und Vermittlertalent zwischen Biergenuss und Bierproduktion. Stimmen werden laut. Wissen wird eingebracht und Tips übers Anpflanzen von Hopfen, Gerste, Weizen gibt’s zuhauf.

Rohstoffe selbst anbauen

Im Garten der Firma Pernet soll künftig Hopfen gedeihen. Definitiv ist, dass schon im März zu einem Bierbraukurs eingeladen wird. Nach und nach wollen die Idealisten die Bieridee ausweiten und kultivieren. Im 2017, so hoffen die Initianten, sei genügend Kapital vorhanden, um im 2018 eine Brauerei Steckborn zu eröffnen. Die Stadträte haben hundert Kubikmeter Gratiswasser zugesichert. «Es geht auch um Geselligkeit», sagt Michael Städler und terminiert sofort für den 2. August einen Brauerei-Steckborn-Stammtisch, ein sogenannter Sommerhock; auch legt er pfiffige Etiketten-Ideen für die Bierflaschen vor. Unzählige klare Bekenntnisse zur Bierkultur mit Steckborner und Untersee-Charakter wurden abgegeben an diesem historischen Abend. Hansi Dürst habe schon Pfähle für die Hopfen bestellt; Markus Grob habe Ja gesagt zu Weizen und Gerste, wurde informiert. Nik Dutli hat sich bereits Wissen über Brauerei-Gerätschaften zugelegt. Noch gibt es viel zu klären. Auf jeden Fall soll es ein typisch regionales Bier werden, eine Steckborner respektive Untersee-Spezialität. «Das Bier auch soll für Steckborn und den Untersee werben», sagt Städler, einer der Mitorganisatoren des Steckborner Oktoberfestes. Diverse Arbeitsgruppen kommen nun zum Einsatz, neben Braukursen trifft man sich regelmässig zu geselligen Runden.

Nur volljährige Mitglieder

Nach ausgiebiger Diskussion wurden die Statuten genehmigt und der Vorstand gewählt. Mitglied werden kann jeder ab 18 Jahren mit Interesse an der Bierkultur und einem Bezug zur Region. Aktivmitglieder haben neben dem Jahresbeitrag ein Mithilfe-Pensum zu erfüllen. Der Vorstand der Interessengemeinschaft Brauerei Steckborn setzt sich wie folgt zusammen: Präsident ist Roger Pernet; Vorstandsmitglieder sind Jan Martin, Sally Schumacher, Manuel Hanimann und Martin Weigele; als Revisoren wurden Patrik Hösli und Patrik Heger gewählt. Die Versammlung genehmigt zudem mit grossem Mehr den Gründungsbeitrag von 100 Franken.

Quelle: tagblatt.ch