Wohnen im Malzturm

Mit dem kürzlich vollendeten Wohnhaus Malzturm des Architekten Thomas Schregenberger ist eine weitere Etappe in der Umwandlung des alten Brauereiareals Hürlimann zum Zürcher Stadtquartier abgeschlossen. So grosstädtisch die Architektur, so kosmopolitisch die Bewohner. Für einen ausländischen Kunden konnte der Architekt zwei Wohneinheiten zum eleganten City-Apartment mit zeitgenössischer Eleganz und kosmopolitischem Flair ausbauen und einrichten.

Am 19. September 1997 wurde nach 130 Jahren auf dem Hürlimann-Areal das letzte Bier gebraut. Wie viele andere Industriebetriebe schloss auch die traditionelle Schweizer Biermarke nach dem Verkauf an Feldschlösschen ihren Betrieb in der Stadt und liess ein Konglomerat an Bauten unterschiedlichster Epochen zurück. Anders als die meisten Industrieareale in Zürich liegt die Brauerei aber nicht an der Peripherie, sondern mitten im Zentrum. Bei ihrer Umnutzung war deswegen besondere Sensibilität gefragt. Nach den schlechten Erfahrungen, die man in Zürich-Nord gemacht hatte, wo die Altbausubstanz massiv reduziert wurde und dem Ort danach die Seele fehlte, blieben die allermeisten Bauten auf dem Hürlimann-Areal stehen. Sie wurden und werden nach und nach umgenutzt. Spaziert man heute durch das Areal, sieht man, wie aus einer geschlossenen Industriezone bei vorsichtiger Planung mit der Zeit ein ganz eigenes Quartier entstehen kann, das sich allmählich mit den umliegenden Stadtteilen verflicht und so auf natürliche Weise in die gewachsene Stadt eingliedert.

Neben den Abfüllanlagen und ehemaligen Stallungen, welche heute eine attraktive Einkaufsstrasse bilden, den Wohnneubauten im nördlichen Areal sowie den schlichten Bürobauten mit dem Traummieter Google Europe darin thront auf dem Hügel gleich hinter dem frisch renovierten Braumeisterhaus ein siebengeschossiger Neubau. Der so genannte Malzturm wurde 2007 vom Zürcher Architekturbüro Thomas Schregenberger anstelle des alten Malzsilos als krönender Abschluss des Areals errichtet und enthält 16 hochwertige Eigentumswohnungen. 2004 hatte das Büro, welches bereits seit 25 Jahren in der Stadt baut, den Wettbewerb für die Überbauung gewonnen. Der markante Neubau auf dem höchsten Punkt des Hürlimann-Areals zeichnet sich denn auch durch seine vertikalen Bänder in gelblich eingefärbtem Sichtbeton aus, der mit dunkelbraun eloxierten Holz-Metallfenstern kombiniert wurde. Auf halber Höhe erfolgt ein rhythmischer Bruch. Dieser sowie die Materialität und Feingliedrigkeit der Fassade sollten an die industrielle Vergangenheit des Ortes erinnern, gleichzeitig setzen sie ein selbstbewusstes grossstädtisches Zeichen.

Während zwei Jahren und bis zum Baubeginn hatte der Architekt Dominic Schmid im Büro Schregenberger die Projektleitung für den Malzturm. Schmid hatte an der Fachhochschule in Muttenz Architektur studiert und in verschiedenen Architekturbüros gearbeitet, bevor er seine prägendste Zeit im Büro von Adolf Krischanitz in Wien verbrachte, bei dem er schon ein halbes Jahr in Berlin studiert hatte und der ihm eine besondere Affinität für das Baumaterial Beton mit auf den Weg gab. Dominic Schmid verliess das Büro von Thomas Schregenberger kurz vor Baubeginn, um sich selbständig zu machen. Als externer Architekt war er aber fortan für die Betreuung der künftigen Wohnungsbesitzer und den individuellen Ausbau zuständig. Die Statik des Gebäudes – tragend sind lediglich die Hülle und der Kern – liess den Bewohnern grosse Flexibilität bei der Einteilung. «Zwölf Wohnungen konnte das Büro Schregenberger ausbauen», erzählt Dominic Schmid. «Thomas Schregenberger hat mir dabei sehr freie Hand gelassen.» Mit der vorliegenden Wohnung beschäftigte der Architekt sich am längsten und intensivsten, denn Thomas Schregenberger erhielt nicht nur den Auftrag für den Ausbau, sondern auch die komplette Möblierung. Ein Geschäftsmann aus Singapur hatte sich zwei übereinander liegende Wohnungen gekauft und wünschte, diese intern zu verbinden.

Auf der unteren Etage befinden sich heute ein grosszügiger Wohn- und Essbereich mit Kamin sowie ein Gästezimmer und ein Fitnessraum. Eine inliegende Treppe führt nach oben in den «privaten» Bereich mit Schlafzimmern, Büro und einem kleinen Heimkino. Die Wohnung ist in warmen, maskulinen Farben gehalten. Dunkelbraun, warme Grau- und schwere Violett-Töne herrschen vor. Ein geölter Nussbaumparkett zieht sich durch sämtliche Räume, alle Schrankeinbauten erhielten einen dunkelgrauen Anstrich, und die Bäder wurden mit Glaskacheln ausgekleidet. Für die Möblierung holte sich Dominic Schmid den Architekten und Innenarchitekten Roger M. Bechtiger an Bord. Dieser hat in den USA Architektur mit Schwerpunkt Innenarchitektur studiert. Nach dem Studium arbeitete er im renommierten Büro Sasaki Associates in Boston, bevor es in nach sechs spannenden Jahren in den USA wieder in die Schweiz zurückzog. Hier arbeitete er für den Innenarchitekten Stefan Zwicky in Zürich, bevor er zusammen mit einem Kollegen in Frauenfeld einen Franchise-Betrieb des traditionellen wohnbedarfs gründete. Das Unternehmen wohnbedarf breu & bechtiger funktioniert als eigene Firma mit Schwerpunkt Innenarchitektur und Inneneinrichtungen.

«Das Spezielle an dem Auftrag war die Tatsache, dass der Kunde aus Singapur immer nur für ein paar Tage in der Schweiz war. Zum grössten Teil mussten wir über E-Mail mit ihm kommunizieren und ihm Möbel-, Stoff- oder Materialvorschläge mailen», sagt Dominic Schmid. «Das war eine völlig neue Art zu arbeiten.» Wenn der Bauherr dann in der Schweiz war, wurden Prospekte studiert, Magazine gewälzt und immer wieder Rogers frisch eröffneter Showroom in Frauenfeld besucht. «Der Bauherr brachte Aufnahmen von modernen Villen», erklärt Roger. «Er zeigte uns Bilder von grosszügigen Räumen, die subtil luxuriös, elegant und extravagant eingerichtet waren. So kristallisierte sich allmählich ein Stil heraus.»

Die Architekten entschieden sich für einen Mix aus modernen Klassikern und zeitgenössischem Design. Die über drei Meter hohen, von Licht durchfluteten Räume verlangten nach grosszügigen Einzelstücken und voluminösen Leuchten. «Für meinen Geschäftspartner Bernhard Breu und mich war dieser Auftrag gleich zu Beginn unseres Geschäftes ein einziger Glücksfall», schwärmt Roger M. Bechtiger. «Stellen Sie sich einen Kunden vor, der dem Architekten die Wohnungsschlüssel gibt und sagt <Richten Sie das mal James-Bond-mässig ein>!» Das liess sich das Team natürlich nicht zwei Mal sagen, und so ist ein elegantes City-Apartment mit weltläufigem Charme entstanden, das durch Qualität und Zeitlosigkeit in Architektur und Einrichtung besticht.

Quelle: nzzdomizil.ch

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