Zur Grillsaison ein Bier von hier

Nie gab es in der Stadt mehr Brauereien und Biersorten. Aber welches Bier kann wirklich überzeugen? Unsere Jury unterzog fünf helle Lagerbiere einem Blindtest.

Bier hatte in Winterthur lange Zeit nur einen Namen: Haldengut. Daran erinnert noch das Flaschenetikett. «Seit 1843 steht das Haldengut-Rössli für das Bier unserer Region», steht da. Der Inhalt der Flasche kommt allerdings seit 2001 aus der Calanda-Brauerei in Chur. Aus Sicht des Heineken-Konzerns, der Haldengut 1993 kaufte, gehört auch das Bündnerland offenbar noch zur Region.

Brauen als Protestakt

Eine Stadt ohne Brauerei – für Bierfreunde undenkbar. Als Reaktion auf den Wegzug von Haldengut formte sich 2002 ein Verein um Beat Spälti. Der Name für das neue Winterthurer Bier, Stadtguet, war ein wohlgezielter Tritt ans Schienbein des grossen Bruders, aber in den Gründerjahren eher Programm als Realität: Das Bier wurde erst in Wädenswil, dann in Villmergen gebraut. 2005 gelang der Sprung nach Winterthur, wo man in der Grüze jährlich rund 1000 Hektoliter Bier in aktuell sieben Sorten braut und abfüllt. Heineken dagegen strich 2007 die Haldengut-Spezialbiere wie Zwickel, dunkel, Fest- und Weihnachtsbier aus dem Sortiment.

Vergleichbar mit Stadtguet ist die Produktionsmenge von Euelbräu, benannt nach der Euelwies in Wülflingen, wo die Brauerei von Daniel Reichlin seit 2006 zu Hause ist. Wie Stadtguet positioniert man sich als Winterthurer Bier und ist in vielen Restaurants und Supermärkten der Stadt vertreten.

Winterthur ist nicht genug

Mit Winterthur allein will sich die Brauerei Doppelleu nicht zufriedengeben, die seit Januar in der Grüze produziert. 5000 Hektoliter, fünfmal so viel wie Stadtguet und Euelbräu, wollen Jörg Schönberg und Philip Bucher verkaufen. Sie sind auf Kurs: Über 1000 Hektoliter «Chopfab»-Bier wurden allein in den ersten vier Verkaufsmonaten abgesetzt. Noch 2013 will man dar­um ausbauen.

Gebraut wird demnächst auch in der Altstadt. Im Februar 2014 eröffnet das Thurgauer Unternehmen Brauhaus am Neumarkt ein Restaurant mit Brauerei. In Frauenfeld ist das Brauhaus Kult. In Flaschen abgefüllt, sind seine Biere auch vor der Eröffnung bereits in Winterthur angekommen. Im Test nicht berücksichtigt wurde dagegen die mobile Kleinstbrauerei Fahrtwind aus Wülflingen, welche keine Fläschchen anbietet.

Die neue Bierhauptstadt?

«Winterthur wird immer mehr zur Bierhauptstadt der Schweiz», findet Anton Flükiger. Der Bierkenner gründete mit «Erzbierschof» den beliebtesten Bierversand der Schweiz und eröffnete in Winterthur neulich seine zweite Bierbar. Unter seinen wachen Augen testen die Juroren fünf Winterthurer Biere. Natürlich «blind»: Die Juroren wussten nicht, welches Bier sie gerade tranken. Beurteilt wurden Geruch, Schaum, Farbe und Geschmack.

Fazit: Obwohl nur helle Lagerbiere getestet wurden, gab es eine grosse Bandbreite an Geschmäckern zu entdecken. Die Jury war äusserst kritisch und vergab nie die Höchstnote. Gute Biere seien es aber allemal. Und weil Bier auch Geschmackssache ist, lohnt es sich, diesen Test auch einmal im heimischen Rahmen nachzuvollziehen oder auf die zahlreichen Spezialbiere auszuweiten. In diesem Sinne: Prost!

Quelle: landbote.ch